Carnac-Serie: Cairn von Gavrinis, Dolmen von Pen Hap, Steinkreis von Kergonan
Auf der kleinen, unbewohnten Insel Gavrinis im Golf von Morbihan steht der etwa acht Meter hohe Cairn – schottisch-gälisch für Steinmal. In dem beinahe kreisrunden Bau mit einem Durchmesser von fast 50 Metern liegt ein Gang und eine kleine Kammer. Die Trag- und Deckensteine im Gang sind aus Granit, der in der näheren Umgebung zu finden ist. Der leicht nach unten gewölbte, einzige Deckenstein der Kammer mit einem Gewicht von 17 Tonnen ist aus Orthogneis, der im Gebiet von Auray, 10 Kilometer nördlich auf dem Festland, gebrochen wurde.
Die Oberfläche von 21 der 29 Granitplatten der Wände wurden auf einer Fläche von 60 m2 geglättet und vollflächig mit Petroglyphen¹ in vielfältigen Motiven verziert. Am Deckenstein der Kammer sind tierartige Wesen mit langen Hörnern zu erkennen. Im hinteren linken Wandstein der Kammer befinden sich drei Löcher mit vertikalen Stegen dazwischen.

Vor dem Eingang zur Kammer lag eine grosse, ornamentierte Steinplatte auf dem Boden. Sie wurde entfernt und durch eine Kopie ersetzt. Bei den Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten wurde festgestellt, dass nicht sichtbare Flächen einiger Steine ebenfalls ornamentiert sind. Die Art der Muster unterscheidet sich von denen im Gang und in der Kammer.
Der Steinhügel wurde offiziell im Jahre 1832 entdeckt. Er sah aus wie ein kleiner Vulkankrater. Der Gang konnte von oben betreten werden, war aber teilweise durch Sand und Steine verstopft. Grosse Teile des Bauwerks, der komplette Gangbereich und das Portal blieben erhalten. In den 1980er-Jahren wurde der Cairn restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Daniel Perret: Ich kann mich nicht von dem Gedanken lösen, dass Gavrinis der zentrale Punkt dieser Gegend und die Kathedrale des Ortes ist.
Werner Bornholdt: Bei dem Punkt kann ich Dir folgen. Ich habe mir Gavrinis von zu Hause angeschaut. Da fehlte mir etwas, das ich heute bekommen habe. Durch die Kammer, die wir besichtigten, verlaufen zwei Linien: eine Verwerfung und eine Drachenlinie. Sie treffen sich genau in der Mitte. Was bewirkt das dort? Für mich ist ein Feuerelementarwesen in der Nähe. Ich habe es neben dem Steinhügel gefunden, ebenso ein weiteres ätherisches Wesen. In der Ecke dieser Kammer habe ich einen schwarzmagischen Ort wahrgenommen.
Dadurch, dass wir dort zusammen waren, fand ich einen Energiepunkt – ich benutze das Wort das erste Mal. Wir haben uns diese Doppelpyramide angeguckt. Den unteren Teil habe ich nicht genau wahrgenommen, den oberen Teil schon. Er ist über einer Hülle, die sich leicht über diesem Steinhügel befindet. Etwas weiter oben fand ich einen Kegel. Nur habe ich ihn nicht mit dem unteren Teil der Doppelpyramide in Verbindung gebracht. Das scheint zu pulsieren. So komme ich zur Erkenntnis, dass in dieser Kammer ein Kraftort ist, den ich so noch nie wahrgenommen habe. Ich bin dagesessen und hatte das Gefühl, etwas über dem Boden zu schweben, ich ging etwas hoch. Das war für mich ein Erlebnis, mit dem ich weiterarbeiten kann. Dahinter steckt eine Erkenntnis: Ich als Einzelgänger stelle fest, dass ich viel mehr sehe, wenn ihr bei mir seid. Das war faszinierend und ich bedanke mich bei euch.
Daniel Perret: Als wir zum Cairn hochgingen, diskutierte ich mit Hendrikje über die Tatsache, dass wir neun Personen aus neun verschiedenen Kontinenten mit neun verschiedenen Sprachen sind…
Hendrikje Arzt: …mit verschiedenen Kulturen und Methoden.
Werner Bornholdt: Ich sah das beim Dolmen de Pen Hap, wo wir heute Nachmittag waren, ähnlich. Da blickten mehrere Personen mit unterschiedlichen Gesichtspunkten auf diesen Steinklotz. Plötzlich sah ich mittendrin ein Feuerelementarwesen. Ein zweites etwas nebenan bei einem anderen Stein und fand dort wieder einen Energiepunkt. Und staunte darüber, wie ihr anderen das seht.
Ich sah die Drachenlinie, die genau entlang dieses Dolmens verläuft. Die Leute, mit denen du gesprochen hast, sahen das auch so. Ich habe mir angewöhnt, wenn mir jemand eine Beobachtung schildert, diese nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne zu verstehen, denn unterschiedliche Beobachtungen scheinen oft dasselbe zu meinen. Ich habe keinen leibhaftigen Drachen gesehen, nur diese Linie, aber wir redeten von derselben Sache. Ich glaube, es ist gut, wenn ich eine Äusserung von jemandem, der mir erzählt, was er sieht, mit ein bisschen Distanz und allgemein betrachte. Das bringt den Vorteil, dass ich mich nicht an Begriffe festklammere.
Stefan von Arb: Bei Gavrinis bin ich von den Ritzungen in den Steinen geometrisch und energetisch begeistert. Bei mir kam die Analogie zu einem Fingerabdruck. Beim Betasten der Steine war ein Vibrieren in mir. Die Qualität in der Kammer war für mich ruhiger als im Gang. Diese geometrischen Muster – oder was das auch immer ist – begeistern mich handwerklich. Das hat mich tief berührt.
Daniel Perret: Ich finde das gut erfunden, an so einem Ort und dass solche Spiralen auch im irischen Newgrange existieren. Im Moment kann ich mir kein stärkeres Symbol vorstellen.

Foto: Rosa Schwarzl
Rosa Schwarzl: Das sind Petroglyphen. In Grossbritannien sind mir solche wellenförmigen Strukturen in Newgrange untergekommen. Als ich in Peru war, haben wir durch Mutung ein Privatmuseum entdeckt², gefüllt mit riesengrossen und ganz kleinen Petroglyphen-Kunstwerken, die alle eine unglaubliche Energie ausstrahlen. Dieser Ort heisst Huaro. Dort gibt es ein Langschädel-Museum und eine Holzkirche, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Beim Ausgraben des Marktplatzes hat man die Petroglyphen gefunden und der dortige Bürgermeister hat damit ein Privatmuseum aufgebaut.
Er hat uns bei der Führung von der Herkunft der Steine erzählt. Er hat diese Petroglyphen in ganz Peru zusammengesucht und dieses fantastische Museum eingerichtet.
Das war heute ein Déjà-vu für mich, so eingebettet in die Petroglyphen. Ich spürte, dass sich in der Decke oder in einer nächsten Etage ebenfalls noch welche befinden. Es waren keine zu sehen, aber sie waren zu muten. Es gibt viele verschiedene Muster, nicht nur Spiralen, die angeblich unterschiedlichen Wellenlängen entsprechen. Man kann das offenbar analysieren, um die Wirkungen besser zu verstehen.
Der Ort von heute unterscheidet sich nicht von dem, was ich in Peru gesehen habe. In der Mitte des Raumes – gespeist von mehreren Energielinien – konnte ich einen ganz besonderen Energieplatz muten. Wir haben uns nacheinander auf den Platz gesetzt und die Energie ganz unterschiedlich wahrgenommen. Meines Erachtens gibt es im Hügel einige Begräbnisstätten. Dankeschön für den wunderbaren Ort.

Foto: Daniel Linder
Dolmen de Pen Hap, Île-aux-Moines, Département Morbihan
Die Kammer des Dolmen wird von neun Orthostaten begrenzt, die eine Deckplatte mit den Abmessungen von rund 5 x 3,5 x 1 m tragen. Vor der Kammer bildet sich ein gekrümmter Gang mit drei weiteren Orthostaten³ und einer Deckplatte. Die Orthostaten weisen verschiedene Petroglyphen auf. Im 19. Jahrhundert soll die Kammer von einer Fischerfamilie bewohnt worden sein. Der Dolmen wurde 1979 unter Denkmalschutz gestellt und mit einem Zaun umgeben.
Rosa Schwarzl: Der Dolmen de Pen Hap hat eine eigene Wohlfühlenergie. Mit der Erkenntnis dieser Drachenlinie habe ich das Gefühl, dass vorne im Osten der Kopf mit dem offenen Maul ist, mit drei Linien, die von dort hinausgehen. Vorne ist ein Dolmen und hinten im Westen ein Erdwerk – vielleicht sind es Gräber.
Interessant war eine junge Frau, die auch von einer von ihr gespürten Drachenenergie an diesem Platz berichtete⁴. Der Grossteil unserer Gruppe war gegangen, als ich noch ein kleines Dankeschön aussprach.
Das Den-Weg-Zurückgehen ist fantastisch leichtgefallen.

Foto: Daniel Linder
RR: An Dolmen sind Feuerelementarwesen, die für Inspiration, Geistesblitze, Transformation stehen und sie bringen Licht und Wahrheit. Ich gehe davon aus, dass alles Grosse im Leben in der Gedankenlosigkeit passiert. Unterstützt die Energie dieser Orte das Nichtdenken, das In-die-Leere-Kommen?
Daniel Perret: Die Dolmen sind so gebaut. Die Phantasielosigkeit der Archäologen sagt: «Das ist eine Grabstätte.» Die Kammern sind meistens in der Grösse eines Menschen dimensioniert. Du kannst dich hineinlegen und dort die Nacht verbringen. In der Stille der Nacht und in deiner Stille, ohne aktiv zu sein, lässt du einfach diese Inspirationsenergie durch dich fliessen und gibst dir Zeit, das Einsinken zu lassen. Ohne dieses «Jetzt muss was gehen!».
Hendrikje Arzt: Es ist eine Himmelsschanze.
Rosa Schwarzl: Für mich ist es auch eine Himmelsschanze.
Daniel Perret: Was meint Ihr damit?
Rosa Schwarzl: Wir haben an Dolmen getestet, im Inneren zu trommeln und oben zu liegen, oben zu trommeln und innen zu liegen, aussen zu trommeln und überall zu liegen. Es entstehen ganz unterschiedliche energetische Qualitäten. Für eher flatterhafte, nicht gut geerdete Personen sind das die idealen Plätze, um auf den Boden zu kommen. Ich habe als gut geerdeter Mensch oft auf dieser grossen Platte gelegen. Man reist sofort ab. Es ist auf allen Ebenen eine Himmelsschanze. Besser ist es, eine Begleitung dabei zu haben. Irgendwann ist es gut, wenn dich einer am Bein zieht und sagt: «Komm wieder zurück.» Man hebt ab, spürt den Körper nicht mehr und es gibt keine Grenzen und kein Denken mehr. Ich kann empfehlen, so etwas zu erleben. Ich mache das bei Seminaren mit den Teilnehmern, die innerhalb von zwei Minuten verreist sind. Es kann nur die Platzqualität sein, wenn Neulinge, die noch nie so etwas gemacht haben, dort stehen und sagen: «Ich kann das nicht.» Sie legen sich trotzdem drauf und sind weg.
Bei der Himmelsschanze kommt die Energie von unten. In unmittelbarer Nähe ist immer ein Einatmungspunkt der Erde. Da legt man sich auf die Erde. Ich liege da gerne auf dem Bauch. Unten geht wie eine Klapptür auf, man sinkt tief hinunter und darf sich ausbreiten.
Daniel Perret: Ich habe das bei Musikausbildungen beobachtet. Ich liess die Leute zu den fünf Elementen in sich reinfühlen. Wenn das jemandem gelingt, gefühlsmässig in die Qualität dieser Elemente reinzugehen, öffnet sich der Boden. Ein riesiger Raum tut sich auf.
Rosa Schwarzl: Die Menschen entwickeln ein Suchtpotenzial. Es gibt Menschen, die bei mir ein Seminar besuchten und anschliessend drei-, viermal im Jahr nochmals hinfahren, um diese Ortsqualitäten zu nutzen. Es gibt da einen Ahnenstein. Nach dem Berühren öffnet sich ein Vorhang, und man ist von einer Vielzahl von Ahnen umgeben, die mit einem kommunizieren. Ein Seminarteilnehmer bekam einen argen Weinkrampf. Er berichtete, dass dies die erste Begegnung mit seinen Ahnen war und er erstmals bewusst weinen konnte. Einen Ahnenstein gibt es auch hier. Wir hatten nur nicht die Zeit, zu suchen.

Foto: Daniel Linder
Steinkreis (Cromlech) von Kergonan, Île-aux-Moines, Dép. Morbihan
Die Einheimischen nennen ihn Kreis des Todes. Die Achse des Cromlech von Kergonan ist auf die Wintersonnenwende ausgerichtet – den Tod des Jahres vor seiner Wiedergeburt. Von ursprünglich etwa 50 Steinen sind 34 verblieben. Sie sind 2 bis 3,5 m hoch und bilden einen nach Südosten offenen Halbkreis, der einem Hufeisen ähnelt. Mit einem Durchmesser von hundert Metern ist er der grösste Steinkreis Frankreichs. Die Form soll früher D-förmig gewesen sein. Innerhalb des Cromlechs sollen unterirdisch zwei Tumuli liegen.
Rosa Schwarzl: Als wir zum Cromlech kamen, sah ich aussen dran energetische Dreiecke, die mit der Anordnung der Steine eine Art Stern ergeben. Im Inneren ist eine unglaublich schöne, ruhige Energie, nichts Aufregendes, nur angenehm und einladend. Steinkreise haben oft die Eigenschaft, sehr aktiv zu sein. Wenn innen überwiegend rechtsdrehende Energie ist, muss er aussen linksdrehend abstrahlen. Das ist nach meiner Erfahrung nicht anders möglich. Die Kunst ist es, mit dem Schaltstein zu moderieren, inwieweit die aussen linksdrehende Abstrahlung Auswirkungen auf die Umgebung hat und welche Gesamtenergie erzeugt wird. Ich mache solche Steinkreise für öffentliche Auftraggeber: Wenn Bäume durch Umwelteinflüsse geschädigt sind und abzusterben drohen, baut man ihnen mit einem Steinkreis eine Energieröhre. Man moderiert eine gut verträgliche Stärke in Bovis und Intensität in Abstimmung mit dem Baum und der Umgebung. Das ist meistens in verbautem Gebiet, aussen darf er nicht weiter als einen halben Meter abstrahlen. Der Cromlech von Kergonan ist so gebaut, sonst könnte drumherum nicht gewohnt werden.
Die rundliche Erhebung im Steinkreis hat für mich eine Ahnenenergie. Ich spüre eine tiefe Verbindung zu meinen Grossmüttern. Das Trommeln, Tönen und Räuchern für unser Sein und Unterwegssein war befriedigend.
Ich mache gerne schamanische Reisen. Ich bin kein Mensch der meditiert. Bei schamanischen Reisen sitzt man einfach auf der Wiese und tut nichts.
Daniel Perret: Ich glaube auch nicht, dass ich meditiere. Ich bin einfach während zwanzig Minuten ruhig. Ich habe mich lange bei meinem Meister beklagt: «Was soll ich meditieren? Ich sehe nichts, es passiert nichts.» Er sagte: «Ich bin nicht der Meinung, dass etwas passieren soll.»
Ein Monat später: Carnac-Nachlese
Daniel Perret: Die Energie war und ist in der Gegend um Carnac so tief, dass nach meiner Erfahrung Widersacherwesen im Spiel sind. Es fehlt das Gleichgewicht zwischen lichten und dunklen Wesen. Das hat mich gewundert, weil alle Dolmen, Menhire, Tumuli und heiligen Wasserquellen dank ihrer Elementarwesen eine ausserordentlich hohe Energie haben. Einen Unterschied gibt es in den Steinreihen von Kerzerho: Dort ist es jetzt besser, als bevor wir da waren. Ich hoffe, wir sind uns bewusst, dass wir als Kollektiv eine spezielle Eigenschaft haben. Warum sonst sind wir mit so grossem Aufwand nach Carnac gefahren?
Hendrikje Arzt: Die Frage habe ich meditativ bearbeitet und mich zu einer tieferen Betrachtung der Steine in Gavrinis begeben. Es gibt ein Buch von Albrecht Mayer, das ich euch empfehlen möchte⁵. Er hat sich die einzelnen Steinplatten vorgenommen, sie entschlüsselt und seine Befunde nachgewiesen. Eine sehr detaillierte, interessante und stichhaltige Arbeit. Ich wundere mich, dass das vor Ort auf Gavrinis überhaupt nicht erwähnt wird.
Mayer hat die einzelnen Steine nummeriert, mit Steinen aus dieser Zeit und anderen Gegenden verglichen und zum Beispiel den Tierkreis und Symbole für die Venus und den Merkur gefunden und nachgewiesen, warum das an anderen Stellen auch dafür gedient hat. Er hat die Bildsprache aufgeschlüsselt und kosmische Bezüge hergestellt, die in sich Sinn machen. Das ist eine wenig spekulative Arbeit, die sehr hilfreich ist.
Ich habe geschaut, was Gregor Arzt in dieser Gegend gemacht und wahrgenommen hat und in seinem Chakrenbuch⁶ eine Stelle gefunden, die ich euch gerne vorlesen möchte:

Foto: Daniel Linder
Ost-West-Achse von Carnac in den Ural
«Da ich im Rheinland aufgewachsen bin und seit 1985 im Berliner Raum lebe, lag mir zunächst die Beschäftigung mit der Ost-West-Achse näher. Das Kronenchakra dieser Achse befindet sich in Carnac in der Bretagne. Die berühmten Steinreihen sind meines Erachtens als eine Verstärkung der Steinakupunktierung dieser Struktur aufzufassen, was die Vermutung nahelegt, dass man schon in älterer Zeit um diese Achse wusste. Sie verläuft…» und jetzt gut zuhören «…über Chartres (Stirnchakra), Paris, die Ardennen (Halschakra), Berlin (Herzchakra), Minsk, Smolensk, Moskau (Wurzelchakra) und endet im Ural. Die genannten Orte markieren den Mittelstrang dieser Achse. In der Breite dehnt sie sich über 200 Kilometer aus, so dass eine Vielzahl weiterer wichtiger Orte auf dieser Achse
liegen. Ich empfinde sie meinerseits als Rückgrat von Europa. Ihr Thema ist bezogen auf die europäischen Völker: Die Begegnung von Ost-, Mittel- und Westeuropa im Sinne einer gegenseitigen kulturellen Befruchtung. Ihre Blockade ist Ausdruck der Perversion einer solchen Begegnung durch egoistische Machtinteressen. Deswegen war diese Achse in den vergangenen tausend Jahren tragischerweise häufiger eine Aufmarschstrasse der Heere, meist mit Stossrichtung von West nach Ost. Alexander Kluge hat den Kessel von Stalingrad als das Endergebnis einer tausendjährigen Reihe verfehlter Politik charakterisiert. Spätestens mit der Ostexpansion des Deutschritterordens im Mittelalter wurden die falschen Weichen gestellt. Bis heute ist der riesige Raum Osteuropas im Bewusstsein der meisten Mittel- und Westeuropäer seltsam abgeblendet, fast nicht vorhanden. Man empfindet allgemein die deutsch-polnische Grenze als Ostgrenze Mitteleuropas. Ein Blick auf die Landkarte lehrt jedoch, dass Ostpolen gerade mal auf halber Strecke zwischen Portugal und dem Ural liegt. Der Schwerpunkt der europäischen Landmasse befindet sich gar in Russland. Mit einem einseitig yang-orientierten Expansionsdrang haben West- und Mitteleuropa regelmässig den yin-geprägten Osten verletzt und damit zugleich die Quellen der eigenen weiblichen Sensibilität. Bei Stalingrad liegt nach meiner Einschätzung das europäische Herzchakra – ein von der Ausdehnung her riesiges Flächenchakra. Es ist durch die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges sehr stark in Mitleidenschaft gezogen.»
Warum nach Carnac, warum wir?
Hendrikje Arzt: So viel zur Einordnung des Ortes Carnac in seine Wichtigkeit. Ich habe mich gefragt: «Warum fahren wir hierher?» Dank einer Einführung zu diesem Ort erfuhr ich, dass er einst von weiblichen Druidinnen gepflegt und später von männlichen Druiden nicht ganz friedlich übernommen worden ist. Meine Frage war: «Wie können wir diese Verbindung pflegen oder ihre Aufgabe unterstützen?» Als Antwort kam: «Durch Rituale und geistige Arbeit und wird diese vergessen, kann die Welt nicht befriedet werden.» Sie wird bewusst gestört und von Gegenkräften missbraucht. Das hatte ich als Offenbarung von diesem Ort.
Interessant war, dass ich nach Chartres gefahren bin, der nächstliegenden Station an dieser Ost-West-Achse. Mit dem Labyrinth von Chartres und den Dingen, die dazukamen, wurde noch deutlicher, dass es darum geht, dass die Herrschenden immer Einflüsterer hatten und auch jetzt haben, dass für diese Ost-West-Achse ständig Gegenkräfte bestehen und wir vielleicht in der Lage sind, das zu erkennen und dem Widerstand zu leisten.
Ulrich Gläser: Auf Google Maps bin ich den Breitengrad der Steinreihen von Carnac entlanggegangen und 30 km südlich von Stalingrad rausgekommen. Ich bin auch auf diese Ost-West-Achse gestossen. Mein Vater war kurz an der Ostfront. Im Alter von 13 Jahren bin ich nachts zwei Jahre lang immer wieder mit demselben Traum wach geworden: Ich bin immer vor den Stalinorgeln in Richtung Westen gelaufen und irgendwo nördlich von Carnac bei einem grossen Menhir rausgekommen. Die Verzweiflung dieser Achse prägt mich. Ich wurde in Mönchengladbach geboren. Das ist ein Kilometer nördlich des Breitengrades von Stonehenge. Das ist die Ost-West-Verbindung am 51. Breitengrad, eine Sternenstrasse. Die Sternenstrassen hängen zusammen. Es wundert mich nicht, dass Gregor die Breite mit 200 Kilometern angegeben hat.

Foto: Daniel Linder
Arbeit an Vernetzung als Aufgabe und Geschenk
Hendrikje Arzt: Im Gavrinis-Buch weist Mayer darauf hin, dass die Menhire Repräsentanten von Menschen und geistigen Wesen sind. Die Art, wie die Schatten im Laufe der Sonne fallen, vermittelt bestimmte Informationen, die sich vor Ort abrufen lassen – zudem stehen die Steine nicht in Linien.Gavrinis war ein Zentrum für die kosmische Welt und die Welt der Verstorbenen. Diese beiden Welten korrespondieren miteinander, auch in den Ritualen.
Die Kirche in Chartres wurde auf einem Hügel gebaut, dem sehr hohen, wenn nicht dem höchsten Heiligtum der Druiden. Die Druiden haben dort lange vor Christi Geburt eine schwarze Jungfrau mit Kind verehrt. Sie waren in der Vorausschau.
Rosa Schwarzl: Ich schliesse mich inhaltlich voll an, ganz besonders bei den Aussagen, wie wichtig es war, dass wir dort waren und dass sich die Geister für unser Kommen bedanken. Schamanische Reisen bestätigen das.
Letzte Woche bemühte ich mich an den Externsteinen, mit diesem Geistwesen Verbindung aufzunehmen und habe die Botschaft erhalten, dass es um die Vernetzung dieser Plätze geht. Wie Hendrikje gesagt hat: Diese Sternenstrassen durch Europa, wie sie in Büchern beschrieben werden, gibt es als Entsprechung auf der Erde. An diesen Orten sollte die Vernetzung besser funktionieren. Es scheint, als wäre das die Aufgabe der Gruppe. Ich habe bei den Externsteinen versucht, diese Verbindung herzustellen und darum zu bitten, dass diese Energieflüsse durchlässiger gemacht werden. Der Geistigen Welt scheint es darum zu gehen, dass wir Vermittler sind und ein bisschen was beitragen dürfen. Erst vor drei, vier Nächten erwachte ich mit einer Traumerinnerung, dass dieses Geistwesen von Carnac irgendwo am Berg sass und dass dessen Licht jetzt viel weiter ausstrahlt. Mein Erkenntnis aus Reisen nach Peru, Machu Picchu, Ägypten und so weiter ist, dass es immer um Vernetzung geht. Ich glaube, das ist eine grosse Aufgabe und ein Geschenk an unsere Gruppe, an diesen Vernetzungen arbeiten zu dürfen.
Hendrikje Arzt: Ich glaube, das Heilsame ist das Bewusstsein, das wir dafür ausbilden. Als ich zurückkam, habe ich erwähnt, dass ich in der Bretagne war. Eine Patientin schrieb: «In der Bretagne? Da wollte ich schon immer hin.» Ich fragte: «Wieso die Bretagne?» «Seit dem Kriminalroman von Kommissar Dupin.» Es gibt eine deutsche Serie über die Bretagne, in der in der spirituelle und mythologische Hintergründe geschickt eingeflochten werden. Herr Dupin ist überhaupt nicht an solchen Fragen interessiert. Alles wird drumherum gebaut und ihm zugemutet, dass er diese Erkenntnisse immer wieder von den Einheimischen zu hören bekommt. Ich habe einen halben Roman durchgelesen. Die Pflege des Bewusstseins für diesen Raum und was gelebt hat und wie es durchschimmert durch das, was wir jetzt erleben. Wir steigen vielleicht an einer ähnlichen Stelle wieder ein, wo damals ausgestiegen wurde. Das Thema scheint auf vielen Ebenen aufzuleben.
Daniel Perret: Die Verbindung dieser Plätze finde ich ganz wichtig. Mir kommt immer wieder der Gedanke, dass Karnak in Ägypten und Carnac in der Bretagne nicht zufälligerweise denselben Namen tragen.
Rosa Schwarzl: Denke ich auch. Man kann an diesen Orten die richtigen Plätze erfragen. Dann zeigen sich verschiedene Ebenen: Was ist wichtig? Wie gehen wir ins Detail, um Erkenntnisse zu gewinnen und vielleicht etwas tun zu dürfen und sollen? Es gibt diesen grossen spirituellen, schamanischen Überbau, bei dem es nicht darum geht, wie etwas gebaut oder was dort im Detail ist, sondern dass wir dieses Netzwerk über die Schöpfung hinweg pflegen können und dürfen. Es soll nicht arrogant klingen, aber ich meine zu erkennen: Man hat uns da wirklich eine Aufgabe gegeben und wir dürfen als Gruppe im Einklang mit den Wesenheiten einen Zweck erfüllen. Es geht um das Wie dürfen wir uns zum Wohle aller einbringen? Wie können wir dem grossen Ganzen dienen und wie dient es uns? Es scheint von gegenseitigem Nutzen zu sein.
RR: Ich sehe uns in einem Erbe und in Verantwortung. Irgendwann sterben wir feststofflich aus. Ich erachte es als wichtig, junge Menschen zu integrieren, die unser Erbe annehmen wollen. Eine generationenübergreifende Weiterführung dieser Gruppe ist wesentlich. Ich schlage vor, wir vertrauen weiter auf unser intuitives Vorgehen, eine schlanke Organisation und eine geistige Führung. Wir sind unterwegs.
Ich danke von Herzen für das Gespräch, euer Dasein und Mitgefühl.
Praxis-Tipp von Rosa Schwarzl
Eine grosse Fähigkeit wurde uns geschenkt: Den Kopf leer zu halten, eine Art kopflose Leere. Ein erster Satz der Radiästhesielehre ist: Kann ich? Darf ich? Soll ich?
Aber Kopf frei machen ist DER Satz. Jeder schaut dich mit grossen Augen an und fragt: «Was heisst das? Wie erklärst du das?» Wenn man sagt: «Wir gehen jetzt auf eine Reise, stellen uns ins Wasser» und wenn auf einmal einer sagt: «Aha, ich habe da eine Idee, wie es gehen könnte», dann ist das ein grosses Geschenk. Kurzfristig gelingt es allen, sich in diesen Zustand zu versetzen.
Videos der Redaktion RR in Carnac siehe youtube.com/@d-a-ch-kanal > Playlist Arbeit mit Steinen
Anmerkungen
1 Petroglyphe – von griechisch πέτρος petros Stein und γλύφειν glýphein schnitzen.
2 Museo Piedras Sagradas, Waro moseowaro.blogspot.com
3 Orthostat – Archäologie: aufrecht stehender Steinblock oder Steinplatte
4 Siehe youtube.com/@d-a-ch-kanal Video Carnac – Dolmen de Penhap – Drache wünscht sich Aufmerksamkeit
5 Albrecht Mayer Gavrinis. Bretonische Felsbilder aus alteuropäischer Mysterienwelt, Freies Geistesleben 1974
6 Gregor Arzt Chakren der Erde – Spiegel der Menschheit, Urachhaus 2019
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