Der Zeitgeist und das Nichts
«Was ihr den Geist der Zeiten heisst, Das ist im Grund der Herren eigner Geist, In dem die Zeiten sich bespiegeln.»
Goethe, Faust. Erster Teil. Szene: Nacht, Faust zu Wagner
Hendrikje Arzt: Das Wort Zeitgeist hat Herder begründet¹. Steiner hat es aufgegriffen, spirituell weiter erforscht und für die jeweiligen Epochen Zeitgeister als Zeitengel aus der Hierarchie der Archai beschrieben, die für diese bestimmte Zeit zuständig sind. Im Augenblick ist es der Zeitgeist Michael. Danach kommt Orifiel. Es ist immer die gleiche Reihenfolge der Engel. Sie haben von vornherein den Auftrag, in dieser Phase für den sich zu entwickelnden Geist zur Verfügung zu stehen und ihn zu unterstützen.
Werner Bornholdt: Die Naturbetrachtung, die wir in Raum und Geist machen, ist ein Gegenstück zu einer reinen Naturbetrachtung im Raum und zur künstlichen Intelligenz KI. Ich glaube, hier können wir einen Schwerpunkt setzen, wenn er sich bei uns ergibt.
Hendrikje Arzt: Das ist die Art und Weise, wie wir heute Geomantie und Radiästhesie praktizieren. Das ist ein Element des Zeitgeistes. Wir kreieren etwas Neues, das nur im jetzigen Zeitpunkt mit diesem Bewusstsein und den bestehenden Fragen möglich ist. Das ist unsere Arbeit. Wir schöpfen den Zeitgeist aus dem, was wir tun, indem wir das, was wir tun, mit Bewusstsein durchdringen, hier ausdrücken und für andere verschriftlichen. Damit gelingt der Einstieg in einen Dialog. Die Leser lesen es, erzählen es weiter, stellen es in Frage. Dadurch entwickelt sich ein neues Bewusstsein.

Geomantin, Radiästhetin, Feng-Shui-Praktikerin.
Belinda veranstaltete ein Geomantie-Symposium, bei dem alle Akteure während zwei Tagen gemeinsam auf der Bühne waren. In den Bergen Tirols sucht sie gerne nach prähistorischen Steinsetzungen und entdeckte Kultplätze auf über 2000 m. Mit dem Forscher und Autor Thomas Walli arbeitet sie mit dem Rätia-GPS – Schalensteine und Steinkreise in Tirol.Aktuell entwickelt sie das Projekt Auf megalithischen Pfaden durch Tirol.
Belinda: «Das Nichts ist für mich etwas Göttliches und nur spür- und wahrnehmbar. Alles, was wir darüber reden geht vom Verstand aus und entfernt sich mit jedem gesprochenen Wort.»
Belinda Reinhardt
A-6100 Reith bei Seefeld
belinda.r@aon.at
Werner Bornholdt: Ich kann dir folgen und finde das gut. Ich brauche dazu für unser Selbstverständnis den Begriff Zeitgeist allerdings noch nicht. Warum muss der rein?
Hendrikje Arzt: Es ist eine Bewusstseinsentwicklung, die sich in den Zeiten spiegelt. Wir haben eine menschliche Bewusstseinsgeschichte, in der wir tätig sind – Jeder in seinem Bewusstseinselement. Da entstehen neue Bewusstseinsstufen, neue Überlegungen, Reflexionen, Erkenntnisse, neue Möglichkeiten, um die Welt zu begreifen.
Daniel Perret: Bei der Beschäftigung mit dem einflussreichen Klosterkomplex Grande Chartreuse in Frankreich fand ich als Hauptwidersacher überraschenderweise einen Spekter². Ich habe ihn hinterfragt und beschrieben. Dieser Spekter ist da, weil sich dort ein Unterrichtszentrum mit einer grossen spirituellen Ausbreitung befindet. Das knüpft an den Zeitgeist an. Wenn so ein riesiger Egregor wie ein Spekter reinkommt und mit KI zu tun hat, sind wir mitten im Zeitgeist drin. Da bekommt man direkt den Bezugzu dem, was gesellschaftlich abläuft und wo wir stecken bleiben.
Rosa Schwarzl: Hendrikje, das, was du sagst, ist die eine Seite. Daniel hat die zweite Seite angesprochen, die für mich den Zeitgeist stark zum Ausdruck bringt. Zum einen arbeiten hier in einer Community, in der es – so glaube ich – viel weitergeht, wir viel Neues aufwerfen und unsere Leser sehr gut mitgehen, durch die Rückmeldungen kann man das Erkennen. Eine weitere Seite ist der Zeitgeist einer zunehmenden Kommerzialisierung von allem und jedem: Das Leben des Einzelnen wird nicht einfacher, denn es herrscht eine grosse Angst und es sind keine Intentionen zu sehen, die wirklich Frieden bringen. Die Zufriedenheit des Einzelnen bleibt auf der Strecke.
Muss sich die Polarität verdichten, um uns aufzurütteln und zum Andersdenken und mehr Vernetzung zu bringen? Ich habe das Empfinden, dass sich auf vielen Ebenen viel tut und alles miteinander vernetzt ist und sich gegenseitig braucht.
Welchen Weg gehen wir?
Belinda Reinhardt: Die Zeit läuft in Zyklen und alles wiederholt sich. Das weiss man aus der chinesischen Astrologie und vom Mayakalender. Aber es geht noch eine Stufe höher. Da wäre es spannend zu sehen: Wo stehen wir heute und wo sind wir in einem früheren Zyklus gestanden? Was haben wir daraus gelernt und welchen Weg gehen wir jetzt auf einer höheren Ebene?
Hendrikje Arzt: Es gibt Wesen, die uns durch eine Zeitepoche führen. Sie übernehmen die verhältnismässige Verantwortung für das, was bewusstseinsgeschichtlich passieren kann, soll und darf – und was verhindert werden soll und darf. Es ist nicht nur ein Positives, es sind Widersacher da, sie gehören dazu, damit wir uns entwickeln können.
Daniel Perret: Ich war vor drei Tagen hier in der Nähe im Spital. Da haben sie eine individuelle Gesundheitsberatung mit Formular und Testverfahren, die von der Weltgesundheitsorganisation erstellt wurden, angeboten. Im Nachhinein hat mir die Frage gefehlt: Woher hole ich meine Kraft, um mit den Herausforderungen unserer Zeit zurechtzukommen? Der Zeitgeist fordert von uns Ressourcen und einen spirituellen Hintergrund, um überhaupt klarzukommen und im Sattel zu bleiben. Das kommt im Konsum von Medikamenten und den unterschwelligen Ängsten der Bevölkerung zum Tragen. Die psychische Gesundheit vieler Menschen und der Jugend ist sehr angeschlagen.

Sphären. Der Schnee ist gefrorenes Licht, das die Landschaft wie durch ein Prisma verändert.»
Foto: Belinda Reinhardt
Michael und die Verbindung zum Ganzen
Ulrich Gläser: Ich bin hin- und hergerissen zwischen den zwei Spannungsfeldern: Einerseits der einleitende Text aus Goethes Faust, bei dem der Zeitgeist schlicht und ergreifend als die Spiegelung der Interessen der Mächtigen beschrieben wird – rein menschengemacht. Andererseits den Zeitgeist als etwas von Engeln Erzeugtes. Da klafft eine Lücke, die für mich schwierig zu überbrücken ist. Sind wir gerägt vom Erzengel Michael, dem Geist unserer Zeit, der nichts mit dem Bösen zu tun hat und uns leitet? Oder sind es die Machtinteressen der wenigen Superreichen?
Hendrikje Arzt: Wieso die Annahme, dass Michael nichts mit dem Bösen zu tun hat? Er kämpft mit dem Drachen.
Ulrich Gläser: Ich habe im Religionsunterricht gelernt, dass Michael für das Gute steht. Für mich sind Erzengelwesen Teil des Göttlichen, wohingegen die Mächtigen auf Seite der Kriegsführenden und Dämonen stehen. Ich bin schockiert von einem dreiminütigen Werbefilm der NATO. Da geht es um den Rechtsanspruch auf Kriegsführung, töten und vernichten von allem, was im Wege der eigenen guten Interessen steht. Das ist Zeitgeist.
Rosa Schwarzl: Ich habe da eine wunderbare Eingebung, die eine Verbindung schafft. Es geht nicht darum, ob er der Gute oder Böse ist, wenn er den Drachen bezwingt. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, um sich mit diesem Drachen zu verbünden und so die Anbindung an die Schöpfung wiederherzustellen. Daniel hat gefragt: «Woher hole ich meine Kraft?» Ich denke, da geht es darum, sich wieder mit der Schöpfung zu verbinden. In Michael verbindet sich alles, wenn er mit dem Drachen kämpft, für diese Schöpfung arbeitet und gemeinsam mit den Geistwesen in das Grobstoffliche wirkt. Das zeigt sich in meinen vielen Terminen mit Menschen, die orientierungslos sind. Diejenigen, die sich an Erdenergien anbinden – an das, was die Schöpfung für uns ausserhalb der gesellschaftlichen Rhythmen bedeutet – und in die Wälder hinaus, in Verbindung zu den Geistwesen gehen, bewahren sich eine tiefe Zuversicht, unterstützt zu sein und es gut schaffen.
Ich sehe in meinem Leben, dass die Anbindung an all diese Wesenheiten auf allen Ebenen die Kraft bringt, um die Situation da draussen gut auszuhalten. Die Hoffnung liegt darin, dass all das einen höheren Sinn hat, der uns kollektiv voranbringt, auch wenn es im Moment nicht danach aussieht. Da scheint mir der Erzengel Michael mit diesem Drachen eine Schlüsselrolle einzunehmen, weil man den Drachen als Erdenergie sehen kann. Wenn sich das Weltbild jetzt wandeln soll, ist Michael der ideale Wegweiser.
Was kostet es die Welt?
Stefan von Arb: Wir erklären das immer vom Menschen aus. Wenn wir in die Planetenkonstellationen schauen – was ich noch nicht allzu lange mache – haben wir im Moment bis März 2027 eine ganz spezielle Situation. Ich wäre interessiert, das nicht bloss mit den Menschen zu sehen, sondern mit den Planeten und die grossen Zeiträume zu verstehen. Wenn es eine Wiederholung ist, müsste man Analogien in der Geschichte finden.
Hendrikje Arzt: Nach dem was ich gelernt habe, ging es bei Gavrinis in Carnac um die kosmischen Einflüsse auf uns. Eine Wiederholung sehe ich nicht als ein Abspulen von dem, was schon war, sondern als eine Wiederholung in der Auseinandersetzung mit den kosmischen Kräften.
Wir hatten 1879 den aussergewöhnlichen Fall, dass der Kampf im Himmel zwischen Gut und Böse dazu geführt hat, dass die gefallenen Engel auf die Erde gekommen sind. Seit diesem Moment wird der Konflikt nicht mehr im Himmel ausgetragen, sondern muss hier unten geführt werden.
Wir können über die letzten hundert Jahre feststellen, dass sich das Böse derart versteckt und verwandelt, dass wir oft glauben, das Gute zu tun. Sei es, eine grosse Errungenschaft wie einen Staubsauger zu nutzen was nichts Schlechtes ist, denn wir gewinnen Zeit. Jedoch setzen wir die gewonnene Zeit nicht dafür ein, uns geistig weiterzuentwickeln, sondern eher, um vor dem Fernseher eine Serie zu schauen. Das Gute ist nicht aus sich heraus gut, entscheidend ist, wie wir es nutzen, welchen Raum wir ihm geben, wie wir ihm geistig begegnen.
Ich halte es für eine grosse Herausforderung, Gut und Böse zu unterscheiden, weil es sich immer wieder versteckt und verwandelt. Menschen kaufen sich ein Telefon und haben keine Ahnung, was es die Welt kostet, dieses Gerät zu besitzen. Vielleicht führen sie nur Streitgespräche. Ich glaube, dass gerade die michaelische Frage, diejenige zwischen Gut und Böse ist. Für mich ist der Drache nicht die Verkörperung der Erdkräfte, denn diese sind gut. Sie waren nie böse und können nicht böse sein. Sie sind so, wie sie sind und bewerten nicht. Sie sind eingebunden in diese hochtechnisierte Entwicklung, die wir nicht mehr überblicken – beispielsweise mit den Folgen von der KI. Da tauchen wir plötzlich in ganz neue Qualitäten in Gut und Böse ein und erkennen diese an Stellen, wo sie derart verwandelt und verschlüsselt sind, dass sie uns nicht ohne geistige Anstrengung deutlich werden. Ich denke, das entspricht dem jetzigen Michael.

Foto: Peter Zwick
Materielles und spirituelles Bewusstsein
Rosa Schwarzl: Ich glaube, gerade hier dürfen wir uns von Kopfentscheidungen lösen und in unser Bauchgefühl kommen. Wir sind Geomanten und verfügen glücklicherweise über ganz andere Werkzeuge. Man darf viel mehr zu diesen Werkzeugen, dem intuitiven Herangehen an das eigene Leben und die kosmischen Erd- und Engelskräfte greifen, dann wird man sicher geführt.
Hendrikje Arzt: Wir nutzen unsere Inkarnation, unsere Verkörperung, um das wirklich ganzheitlich abzuspüren.
Rosa Schwarzl: Das ist der zentrale Hinweis: das Eintauchen in eine ganz andere Wahrnehmung. Dass unsere Gruppe so gut funktioniert, führe ich darauf zurück, dass wir über die Herzebene kommunizieren. Das passiert nicht über den Kopf, sondern über die Zellkommunikation in die Vergangenheit und Zukunft, in ein morphisches Feld. In diesem Feld bewege ich mich, weil dort das Verständnis von Grund her da ist.
Daniel Perret: Ich war in einer Diskussionsgruppe über Biodiversität. Der Universitätswissenschaftler hat das schön vorgetragen. Als ich ihm sagte, dass wir vielleicht hinschauen sollten, welche Intelligenz hinter der Natur tätig ist, machte er zu und fragte nicht, welche Qualität in diesem Wissen liegt.
Ich habe meine Geistwesen gefragt: «Sind die gefallenen Engel über längere Zeit entstanden?» Man sagte mir: «Sie sind, von Luzifer abgesehen, im Jahre 145 entstanden.» Das scheint abstrus zu sein, solch eine konkrete Zahl zu nennen. Aber da ist im Hintergrund was geschehen, vermutlich provoziert durch Christi Eintauchen in die Unterwelt.
Im Wassermannzeitalter geht Wissenschaftlichkeit mit einem zeitoffenem Geist einher: Es geht darum, wie wir die materielle Wissenschaft überwinden und zu dem gelangen, was wir hier beitragen: zu etwas völlig Neuem. Die Veröffentlichungen haben stark zugenommen und wir sind mit unserem Magazin mittendrin.
«Wir haben die Aufgabe, in diesem Zeitgeist wirksam zu werden.»
Werner Bornholdt
Werner Bornholdt: In der Naturwissenschaft versucht man sogenannt objektiv etwas zu beweisen. Wir unterscheiden uns davon gewaltig, da wir Perspektiven haben, die entweder zueinander passen oder noch nicht. Deswegen reden wir miteinander. Ich glaube, dass nicht nur die geistigen Mächte – die Engelshierarchie – auf uns wirken, sondern dass umgekehrt auch wir auf diese wirken. Hier gibt es ein Zusammenspiel, das in meinen Augen noch weitgehend unerforscht ist. Wir brauchen eine Art Training, um es zu ergründen. Wir finden Ansätze und stellen aus unterschiedlichen Perspektiven Unterschiedliches fest. Wir sehen, wie vieles zusammenpasst und das bringt uns weiter. Nun spiele ich das erste Mal mit dem Begriff Zeitgeist. Wir haben die Aufgabe, in diesem Zeitgeist wirksam zu werden. Zunächst einmal geht es um die Verständnisfähigkeit für uns wie für die Geister, die mit uns zusammen lernen. Sie wollen etwas von uns. Wenn wir das im höheren Zusammenhang betrachten, gibt es neben der Engelshierarchie eine Gegenhierarchie. Wir stellen Fragen wie: Was passiert da und woher kommt es? Das ist es, was uns weiterbringt.

Foto: Sonja Braun
Wahrhaftigkeit und Vielfalt
RR: Gehen wir in die Gestaltung! Die Welt ruft verzweifelt nach einem Paradigmenwechsel. Die Krisen unserer Zeit sind Symptome eines veralteten Denkens. Merkmale des alten Weltbildes sind Materialismus, Macht und Kontrolle. Aber der Zusammenbruch dieses Weltbildes zeigt sich nicht zuletzt an der Erosion der Meinungsfreiheit. Ich sehe unsere Aufgabe darin, dazu beizutragen, das alte Weltbild abzulösen. Was tragen wir zu einem neuen Weltbild bei?
Werner Bornholdt: Das Prinzip der harmonischen Vielfalt: Jeder trägt das Seine bei, jeder nimmt von jedem, was er braucht und jedem ist damit geholfen.
«Die kommenden Werte sind Authentizität und Wahrhaftigkeit.»
Belinda Reinhardt
Belinda Reinhardt: Die kommenden Werte sind Authentizität und Wahrhaftigkeit. Ich beschäftige mich mit Feng Shui und chinesischer Astrologie. Da ist ersichtlich, dass wir im Zeitalter, in das wir jetzt eintreten, vom Materialismus, von Hierarchien und Machtstrukturen weggehen. Es wird nicht mehr wichtig sein, wieviel Geld und wie viele Häuser man besitzt. Was in Zukunft wirklich zählt, sind Werte und Authentizität. Auch Firmen und Politiker, die leere Versprechungen machen, werden in Zukunft nicht überleben, weil sie sofort entlarvt werden. Da erweist sich das Internet als etwas Positives. Es wird zwar versucht, das alte System aufrechtzuerhalten, aber die Fülle an Skandalen, die aufgedeckt wird, demaskiert das zunehmend.
Stefan von Arb: Ich sage der einen Seite Patriachat und der anderen Matriarchat und denke, dass das jetzt der grosse Schritt ist. Das Matriarchat simplifiziert die bedingungslose Liebe. Das braucht keine Macht, kein grosses Ego. Jetzt ist die Frage: Brauchen wir das eine oder das andere? Ich bin ein Vertreter einer gesunden Mischung aus beidem. Wir brauchen eine gewisse Organisation, ein gewisses Geld, damit wir überleben können. Du kannst sagen: Einkommen für alle, aber jemand muss das generieren. Wenn man das zu Ende denkt, ist das nicht links oder rechts, sondern irgendeine Mischung in einer wohlwollenden Gesellschaft.
Hendrikje Arzt: Ich möchte es auf den Alltag herunterbrechen und aufzeigen, wie schwer es mir fällt, dieses simple Gebot Du sollst nicht lügen zu leben. Das geht auf das zurück, was Belinda gesagt hat: «Wahrhaftigkeit und Authentizität.» Das sagt sich so leicht. Aber wie schwer ist es im Alltäglichen, auch mich selbst nicht zu belügen? Ich stelle mich ins Halteverbot: «Na ja, es hat ja einen guten Grund.» Meine Tochter ist nicht ganz in der Lage, in die Schule zu gehen. Was schreibe ich jetzt in die Entschuldigung? Wie formuliere ich das besser? Da bin ich immer an der Grenze zur Lüge, es mir leichter zu machen, indem ich es ein bisschen beschönige und so drehe, wie es besser passt. Die sogenannte Notlüge ist ein interessantes Phänomen. Wo bleibe ich bei den täglichen Auseinandersetzungen noch wahrhaftig und authentisch? Da habe ich schonmal richtig viel zu tun.
Für mich sind die zehn Gebote eine Riesenherausforderung. Wenn wir uns alle daran halten würden, hätten wir diese Probleme nicht. Du würdest nicht töten, nicht lügen und so weiter. Diese Dinge umzusetzen, ist unendlich schwer. Da merke ich: Wir müssen bei uns selbst anfangen, bevor wir die Dinge, die wir selber nicht schaffen, den Politikern oder sonst wem andichten. Natürlich können die das auch nicht. Sie sind auch nur Menschen in bestimmten Verhältnissen, in denen sie sich durchwurschteln müssen. Ich stimme der Wahrhaftigkeit und Authentizität als Ziel zu.
Praxis-Tipp: Klartext reden und zu seinen Fehlern stehen
Rosa Schwarzl: Das waren hervorragende Punkte, Hendrikje und Belinda. Wir wissen alle, dass es schwer ist, diese Authentizität zu leben. Man darf nicht aufgeben, es zu versuchen. Das ist keine Perfektion, keine Meisterschaft gegen sich selbst und keine Verurteilung des eigenen Versagens. Wielmehr geht es darum zu sehen, wie weit man es schafft. Das in seiner Umgebung als Vorbild zu leben und zu seinen Fehlern zu stehen, bewirkt etwas. Ein ganz offene Klartext-Reden, ohne sich hinter Floskeln zu verstecken, ist nicht immer einfach. Wenn wir es schaffen, schafft es das Gegenüber oft auch. Da liegt der Erfolg in simplen Situationen und dem Versuch, auf diesem Niveau zu bleiben und sich zu fragen: Wie fühle ich mich jetzt – und dies dem Nächsten mitzuteilen, damit er versteht, warum ich auf diese Weise handle. Damit kommt man viel besser durch als mit irgendwelchen Notlügen. Und: Wir dürfen die Erfolge sehen, nicht die Misserfolge.
Das sollten wir in unsere Gemeinschaft tragen. Ein Tagesablauf kann offen und befriedigend sein – allein durch die Art und Weise, wie man den Tag gelebt hat und wie man in eine Situation hinein- und herausgegangen ist. Wie wertschätzend die Rückmeldungen sind, wenn man sich so verhält, die gesamte Gruppe sich so verhält! Auch mit den Geistern kann man so kommunizieren – das ist ganz grossartig!

Schauspielerin, Tänzerin, Regisseurin, Choreografin und Energetikerin.
Beschäftigt sich mit Yoga sowie energetischer Heilarbeit und erforscht diesbezüglich das Nichts als Tor zum weiblich-lunaren, hellersensitiven Bewusstsein und Kreativprinzip. Sie ist Medium, Bewusstseins- und Potenzialentfaltungscoach: «Kunst und Heilung gehören zusammen.»
Sie channelt zu alten Kulturen und sagt: «Unsere Kultur ist bedroht. Wir haben in Europa das alte lunare Wissen verloren, im alten Griechenland ist es noch da.»
Simone Leona wurde im Sommer 2015 auf die Insel Ikaria gerufen, wo sie seither überwiegend lebt.
Simone Leona Hueber
GR-83300 Ikaria
info@simoneleonahueber.com
simoneleonahueber.com
big-magic-nothing.com
youtube.com/@bigmagicnothing3160
Transnationale wöchentliche NBP Online Meditationen Silence Matters, Mo, Mi, Do.
Foto: Steffi Henn
Das Nichts
RR: Wir können den Zeitgeist mit Fokus auf das Nichts und die Leere beachten. Wenn wir uns mit der Geistigen Welt austauschen, sind Erwartungslosigkeit und innere Leere grundlegend. Dabei stellt sich die Frage: «Kommt diese Auskunft von einem Geistwesen? Ist es eine eigene Projektion oder kommt sie wirklich aus dem Kanal?» Diese Frage beschäftigt einsteigende wie erfahrene Akteure. Das Nichts und die Leere zu beschreiben und ein Gefühl dafür – etwa in Ausbildungen – zu vermitteln, ist äusserst anspruchsvoll. Simone Leona, du beschäftigst dich schon länger mit dem Nichts. Hat sich bei dir eine Definition dafür herauskristallisiert?
Simone Leona Hueber: Um in meiner Nothingness-Bliss-Process-Methode NBP³ zu arbeiten, gilt es, in dieses Nichts, in diese Leere hineinzufinden. Die Physik sagt: 99,999999999 Prozent unserer Wirklichkeit sind Leere, Nichts, Vakuum und nur 0,000000001 Prozent Materie. Das hilft vielen als Veranschaulichung. Ich komme über den Körper in den energetisch-medialen Raum. Ich bin Tänzerin und fange beim Körper an. Ich mache nicht Zen-Meditation, der Körper ist für mich immer präsent und wie ich mich in ihm fühle, ist zentral. Um diese anderen Erfahrungen zu machen, lassen wir unser Narrativ, unsere Ich-Identifizierung los. Im Yoga entspricht dies der Anhaftung. Wenn wir loslassen, fangen wir an, das grosse Ganze hinter jeder Beziehung und Abbildung zu erleben und zu erkennen.
Es geht darum, keine Vorstellung zu haben. Vorstellungen sind Formen. Wenn ich mit Geistern und dem Geistigen, den Erdinformationen, der Seele arbeite, gilt es zu wagen, jegliches Denken an eine konkrete Form loszulassen. Denn das Geistige bewohnt immer auch den Raum des Unvorstellbaren, des noch nicht Geschöpften – selbst wenn es gleichzeitig die bestehenden Formen durchdringt. Mit dem Geistigen zu kommunizieren bedeutet, mit Form und Nicht-Form in Kontakt zu gehen. Ich kann im Herzen, im Gefühl, im energetischen Erleben kristallklar wissen, was ich will, aber nicht in der Form. Dieses Nichts ist der Raum dazwischen. Es erfordert Mut, meine Vorstellung einer Form wieder loszulassen und in das Nichts und in das Nichtwissen einzutauchen. Manchmal benutze ich den Ausdruck, Ins Unverfügbare gehen.
Daniel Perret: Die Idee vom Nichts verbindet sich für mich mit dem Wurzelchakra, der Schwarzen Madonna und der Schwarzen Jungfrau. Ich nenne sie umgekehrt das jungfräuliche Schwarze, woraus Kreativität erst möglich wird, wenn man nichts mehr anhaftet. Das hat sehr viel mit dem Wurzelchakra zu tun, mit dem Körper geerdet im Moment zu sein, sein Potenzial und alles, was man ist, zu akzeptieren. Das schafft den Freiraum zu diesem Nichts.

Foto: Melanie Stalder
Werner Bornholdt: Ich versuche, mich in das Thema des Nichts hineinzumeditieren. Ich verlasse meinen Körper, begebe mich in die Geistige Welt und stelle fest: Ich habe hier keinen physischen Körper. Was habe ich? Ist das ein Nichts? Es ist kein Nichts und eben doch ein Nichts. Es ist etwas. Inzwischen habe ich es in der Meditation so weit geschafft, dass ich mich ausdehnen kann. Ich merke, ich werde immer weiter, immer höher, immer breiter und immer leichter, luftiger. Technisch gesprochen: Die Dichte wird immer geringer. Mit anderen Worten: Ich bin in anderen drin, andere sind in mir drin. Das ist ein Verständnis vom Nichts, das ich mir in der letzten Zeit angeeignet habe.
Hendrikje Arzt: Ich unterstreiche das, was du sagst, Simone. In der Körperpsychotherapie ist es immer die erste und vorderste Aufgabe, den Menschen in seinen Körper zu bringen. Unser Wahrheitssinn – wie wir ihn in der anthroposophischen Meditation nennen – wird im Körper gespürt und nirgendwo anders. Wenn ich in der Meditation Orientierung brauche, um zu wissen, wo ich gerade und mit wem ich kommuniziere, brauche ich meinen Körper – sonst bin ich verloren.
Stefan von Arb: Mir gefällt der Begriff Nichts gar nicht. Ich sage lieber im Sein sein. Denn wo beginnt das Nichts? Ist ein Vakuum Nichts oder was ist das? Ich finde das einen reisserischen Begriff und ich finde den nicht gut. Wir leben hier in einer dualen Welt und entwickeln uns in Richtung Singularität. So erlebe und so meine ich das. Ich finde das Nichts nichts wert.
«Ich versuche, jedem zu helfen, es selber zu erfahren. Mit dem intuitiven Prinzip gilt die Objektivität nicht mehr.»
Simone Leona Hueber
Simone Leona Hueber: Wenn ich eure Stimmen höre, fällt mir eine Präzisierung ein. Ich benutze diesen Begriff wirklich gerne, aber immer im Sinne des Alles-im-Nichts. Ich benutze den Begriff Nichts subjektiv. Wenn wir uns die Frage Gibt es das Nichts? philosophisch stellen und das jemand mit der Ratio⁴ macht, fliegt er aus der NBP-Methode raus. In dieser Methode gibt es nur mich als Subjekt und mein Fühlen. Mein Fühlen ist im intuitiven Prinzip meine Wahrheit, wie sie mir gegeben wird und wie ich sie weitergebe.
In alten Kulturen gibt es Heilkreise. Im alten Griechenland war es das Symposion. Wenn wir auf der subjektiven Wahrheit arbeiten, erhält sie durch uns im Kreis eine Objektivität. Das heisst, wir sitzen im Kreis und es geht darum, so schnell wie möglich in unsere eigene Wahrheit zu kommen. Das wäre bei dir, Stefan, das Im-Sein-Sein, bei Werner wäre es ein anderer Raum. Es ist egal, was es ist, wir dürfen es selber erfahren. Ich versuche, jedem zu helfen, dahin zu kommen und wenn wir dort angelangt sind, geht es darum, was wir erfahren – das ist die vom anwesenden Kollektiv geschaffene Objektivität.
Mit dem intuitiven Prinzip gilt die herkömmliche Objektivität nicht mehr, das verwirrt viele Menschen und verwehrt ihnen den Zugang. Wenn der Begriff rational verstanden wird, hilft er uns nicht, in unsere Wirklichkeit und Wahrheit zu kommen.
Um zu erfahren, ob es das Nichts philosophisch gibt, begeben wir uns im Kreis in jenen intuitiven Raum des Hellerfühlens und Hellersehens und stellen diese Frage. Das Geistige wird sich uns offenbaren. Wir werden die Zeichen und die Botschaft verstehen.

Foto: Robyn Whatley
Das Nichts ausserhalb der Gehirnregion
Rosa Schwarzl: Es ist ganz wunderbar, euch zuzuhören. Ich glaube, das Nichts ist eigentlich nur ein Wort. Sprache beruht immer auf Vereinbarung. Wir verstehen hinter dem Wort Nichts alle was anderes. Für mich geht es um die Freiheit im Sein, um die Gestaltung des alltäglichen Lebens ausserhalb des Kopfes. Man kann Bauchhirn dazu sagen oder lässt sich durch das Mitfeld inspirieren, in dem wir alle verbunden sind. Dort nehmen wir uns alle aus dieser Realität heraus, weil es gemeinsam besser geht. In der Geistheilung verlässt man diesen bewussten Verstandesraum. Da gefällt mir der Erdungsbegriff gut: zurück in die unteren Chakren, weg von dieser aufladenden rechtsdrehenden Energie und hinein in die Erd- und Schöpfungsenergie. Dann erhält dieses Nichts eine andere Bedeutung. Das ist nicht nichts, sondern das Gegenteil von dem, was in unserer Gesellschaft unter Wirklichkeit verstanden wird. Wenn wir aus dieser Wirklichkeit herausgehen, befinden wir uns dort, wo wir alle verbunden sind und gelangen dorthin, wo wir uns gemeinsam über ein ganz anderes Netzwerk an Projekten verbinden.
Für mich ist es wichtig im Nichts zu arbeiten, wie du sagst, Simone. Ich mache das, was kommt und lehne mich darin zufrieden zurück, weil das immer passt. Aus diesem Zustand fällt man nie hinaus. Das ist ein Resonanzprinzip im Mitfeld der Schöpfung und in unserem menschlichen Mitfeld. Ich sehe das Nichts ausserhalb der Gehirnregion.
Hendrikje Arzt: In der anthroposophischen Meditation sprechen wir von der inneren Ruhe. Wenn ich versuche, mir Ruhe vorzustellen, kommt alles auf mich zu – nur nicht Ruhe. Da das nicht funktioniert, beobachtet man, was sich zeigt, entlässt es bewusst und schaut, was komplementär dazu entsteht. Dann kommt die innere Ruhe.
Ich kann mit dem Wort Nichts gut leben. Wir kommen schwer in die Vorstellung des Nichts, es sei denn, ich habe mich philosophisch mit Heideggers Sein und Zeit⁵ auseinandergesetzt. Letztlich ist es ein Begriff, der bei den meisten inhaltlich nicht besetzt ist und genau deshalb als nicht gefüllter Begriff geeignet.
Rosa Schwarzl: Genau. In den Zustand des Nichts können wir, glaube ich, alle gut hineinkommen. Das Erklärenwollen wirft oft Probleme auf. Wenn man drin ist, weiss man, wie es läuft. Das ist in der Geistheilung und im geomantischen Arbeiten so. Wir bringen die Menschen in dieses Drinnen-Sein und regen dazu an, dass sich jeder in diesen Raum begeben kann. Wenn jemand einmal in diesem Raum war, weiss er genau, wie das ist und wie wunderbar in dieser allumfassenden Liebe alles funktioniert. Die Verständigung auf der Herzebene ist in der Theorie nicht zu erklären, deshalb ist die Praxis so wichtig. Ich sehe das bei meinen Seminaren und Gruppen: Man braucht es gar nicht zu bereden. Es ist sinnvoller, ins kalte Wasser geworfen zu werden: «Wir machn jetzt einmal und schauen was kommt.» 90 Prozent reisen sofort mit und die anderen nimmt die Gruppenenergie mit. Ich komme immer mehr vom theoretischen Ansatz weg direkt in die Praxis. So hat jeder seine eigene Praxis und hat sie nicht zu erklären und ich habe meine auch nicht zu erklären. Am Ende sind alle glücklich und jeder wundert sich, dass es so gut gelaufen ist.
Stefan von Arb: Empfindungen und Gefühle sind erlaubt. Ist allumfassende Liebe, wohin die Reise oft geht – ist das nichts? Das stört mich massiv.
Simone Leona Hueber: Ich würde mit dir nicht mit dem Nichts-Begriff arbeiten, lieber Stefan. Ich würde dich auf eine andere Ebene einladen, damit du nicht am Begriff hängenbleibst. Ich empfehle: «Halte eine Hand auf deinen Bauch und eine Hand hinten auf dem Sakralgelenk, dann ziehen wir Atmung rein.» Ich würde mit dir somatisch bei deinen Gefühlen beginnen, dich spüren lassen, dass du einen physischen, einen emotionalen und einen energetischen Körper hast. Herausfinden wie gut du dich in deinem physischen Körper zwischen null und zehn fühlst?
Worte in die Energie führen und den Logos heilen
Daniel Perret: In einen gedankenlosen Zustand zu gelangen, der Kreativität und Empfangsbereitschaft erlaubt, braucht viel Zeit, Übung und Disziplin. Das ist jahrelange Arbeit. Ich brauche eine dreiviertelstunde Meditation mit vorheriger Entspannung, bis ich diesen Zustand erreiche. Das geht nicht mit Denken, Diskutieren und kleinen Übungen.
Hendrikje Arzt: Ich bin absolut d’accord mit allem, was ihr sagt. Eine kleine Schwierigkeit habe ich jedoch mit der Sprache, dem Logos. Ich bin tief mit der Weisheit verbunden: Am Anfang war das Wort. Letztlich ist das kein Hindernis. Aber wir sind in unseren Worten noch sehr eingeschränkt. Das entwickelt sich weiter.
Simone Leona Hueber: Ich habe eine Arbeit mit einem Künstler aus New York gemacht mit dem Titel Am Anfang war das Nichts: «Weil dem Nichts langweilig war, schrie es: Aanaa! Und das Wasser entstand.» Die Worte haben da einen anderen Rhythmus, eine andere Zeit. Ich versuche, die Sprache energetisch zu fühlen und zu füllen. Ich stimme dir zu, Hendrikje: Wir können Sprache so führen, dass sie energetisch reicher und höherschwingend wird, um die rein technische, rationale Sprache mit Herz- und Lichtfrequenzen zu nähren.
Es geht jetzt in der Tat darum, dass wir Worte auch als Energieträger spüren, verstehen und senden lernen. Wir Schauspieler sprechen vom Subtext, als dem Text hinter dem vordergründigen Text. Wir Energetiker gehen da noch weiter, bis in die einzelne Silbe eines Wortes hinein und in die Stimmqualität, die durch den Atem und Spirit geöffnet wird. Ein Beispiel: «… und ANA, das Wasser, entstand… ´AAAANAAAA… Ahhhhh jaaaaaa – ich fühle sie, die Liebe, die du mir schenkst… und ich fühle, wie ich dir meine Liebe schenken kann… wie du sie empfängst, sie dich nährt, dich gar erröten lässt…» Die Worte sind bei diesem Beispiel nur Hülsen… Aber die Energie, die ich mit der gefühlten Liebe transportiere, ist immens. Sprich einen Menschen, der dich anschreit mit der Energie der Liebe und einer mütterlichen Herzwärme an. Das wirkt Wunder. Das Gleiche gilt für die Energie der Kindness, Güte, Wärme und Grosszügigkeit. Damit erschaffen wir eine kraftvolle Welt ohne Ängste, eine Welt der Verbindung und Versöhnung, des Dazugehörens und Teilhabens statt einer der Trennung. Das ist weibliches Bewusstsein: Die Umarmung von allem, was ist, anstatt der Betrachtung, Objektivierung, Beurteilung und Verurteilung der Einzelteile. Die energetisch bewusste, lunare Sprache statt der technokratischen, rationalen Sprache. Wir sind nicht Funktionsträger, sondern Menschen. Vielleicht geht es darum, den vernunftbetonten Logos endlich wieder mit dem mystischen, sinnlichen, intuitiven, symbolhaften, rituellen, weiblichen Element zu heilen.
Worte als Energieträger
Die energetisch bewusste, lunare Sprache nutzt Worte und Laute in ihrer Einfachheit als Energieträger und steigert die Energie in der repetitiven Anwendung, kristallisiert sie in der Einbettung in symbolische Ritualhandlungen, in denen auch Tanz, Bewegung und Musik zu Energieträgern werden und die Frequenz gemeinsam, oft im sakralen Raum, erhöht wird. Diese Sprache erfahrt ihr in meinen lunaren Kunstprojekten und Heilarbeit.

Simone Leona Hueber beim Ikaris Tempel, Ikaria: Wir sind nicht Funktionsträger, sondern Menschen. Es geht darum, den vernunftbetonten Logos mit dem Mystischen, Sinnlichen, Intuitiven, Symbolhaften, Rituellen und Weiblichen zu heilen.
Foto: Kiriakoula Kontaxopoulou
Raus aus dem Kopf und alles ist möglich
RR: Wir brauchen den Begriff des Nichts intellektuell nicht zu klären. Im Gegenteil, ich empfinde es als begriffsimplizit und für unsere Arbeit weiterführend, ihn nicht zu definieren.
Ulrich Gläser: Für mich ist das Einzige, was es nicht gibt, das Nichts. Ich lebe in einer Fülle und die Fülle wird immer mehr, je älter ich werde und je mehr ich wahrnehme. Wenn ich an das Nichts denke, kommt mir als Erstes Purusha in den Sinn – der Ozean der absoluten Stille. Diese Stille ist unglaublich kraftvoll, aus ihr kann alles entstehen. Da ist das Nichts lautlos. Daraus können neue Welten erschaffen werden.
Rosa Schwarzl: Es ist ein Raus aus dem Kopf und alles ist möglich und ein DAS erwarten, was kommt und nicht das festlegen, was sein soll. Vielleicht ist das eine gute Erklärung für das Nichts.

Foto: lifearchitect.at
Wahrhaftig und intuitiv leben
RR: Viele Menschen sehen die Geschichte an einem Wendepunkt. Viele fürchten das Nichts und klammern sich an das Bestehende. Viele andere wollen in einem neuen Weltbild leben und das Neue unterstützen. Immer mehr Menschen lassen sich durch Einschüchterung nicht mehr beeindrucken und machen nicht mit. Es kommt viel Sand ins Getriebe, zu viel, um die alte Maschine am Laufen zu halten. Das alte Weltbild mit seinen Machtstrukturen, seiner Trennung, Kontrolle und Manipulation bröckelt massiv. Wir tun Dinge entweder aus Angst oder aus Liebe. Entsprechend sind die Merkmale eines neuen Weltbildes Selbstermächtigung, Empathie und Resonanz. Was denkt ihr?
«Wichtig ist es, wie sich dieses Wort für mich anfühlt.»
Rosa Schwarzl
Rosa Schwarzl: Die Selbstermächtigung ist wunderbar: Nicht mehr den rationalen und logischen Verläufen zu folgen, sondern ganz tief aus sich heraus das zu leben, was in der allumfassenden Liebe im Mitfeld geschehen darf – jede Person aus sich heraus. Wir brauchen den Worten nicht die Bedeutung zu geben, die sie vielleicht im üblichen Sprachgebrauch haben. Wichtig ist es, wie sich dieses Wort für mich anfühlt. Wie ist meine Resonanz darauf? Es kommt darauf an, wie das Wort verstanden wird. Es bleibt immer ein grosser Interpretationsspielraum. Wenn ich diesen Spielraum der Intuition überlasse, sind wir richtig und fühlen, was gebraucht wird und wie ich mich als wertvolles Mitglied in das System für einen neuen Zeitgeist einfüge.
Belinda Reinhardt: Ich würde das Wort intuitiv durch wahrhaftig und authentisch ersetzen. Für mich zerbröckelt im kommenden Zeitgeist alles was gespielt, was nicht wirklich authentisch und wahrhaftig ist. Unsere Gesellschaft ist so gepolt, dass die meisten Menschen nicht sagen, was sie fühlen und denken. Das macht es schwierig und wir sind dadurch nicht geschützt. Es lacht dir jemand ins Gesicht und sagt: «Ah, schön, dass du da bist» und er meint es nicht so. Ich kenne viele Beispiele. Wir fahren die Antennen aus, um zu spüren, was ehrlich ist. Ich glaube, das ist der grösste Schutz, den wir haben.
Hendrikje Arzt: Dieser Satz, die innere Erlaubnis intuitiv zu leben, trifft mich wie eine Wahrheit, weil sie die Verbindung zur anderen Seite in sich trägt. Bei der Wahrheit und der Authentizität spielt zudem unsere eigene Bewertung eine Rolle. Das heisst, wenn sich jemand scheinbar wahrhaftig äussert, können seine Gedanken dennoch manipuliert sein. Gerade der Zeitgeist mit Erzengel Michael, der offiziell bis 2300 wirkt und uns an der Stelle unterstützt, wo wir nach dem materialistischen naturwissenschaftlichen Bogen des Welt-Vermessens, wieder zur Verknüpfung der Kräfte kommen, die wir weder gezählt noch gewogen haben, weil sie nicht zähl- und messbar sind.
Für mich ist es an der Zeit, aus dieser neuen Perspektive den Weg nach drüben zu suchen. Früher war das intuitiv da, es gab die Frage gar nicht. Es ist scheinbar verschwunden, aber in Wahrheit die ganze Zeit da. Wir brauchten sozusagen den Abstand dazu, um den aufrichtigen Logosweg zu gehen. Vor diesem Hintergrund suchen und bauen wir die Verbindung neu auf, um eine ganz andere Integrität zu erlangen. Das ist für mich der Inhalt dieses Zeitgeistes.
Stefan von Arb: Für mich ist die Selbstermächtigung das Innere. Jetzt kann man fragen: «Ist das auch manipuliert bei dir oder bist du ehrlich mit dir?» Dann hast du die Empathie gesagt. Das ist das Äussere – das Zusammenspiel von Innen und Aussen. Beim dritten mit dem Resonanzprinzip glaube ich nicht, dass das neu ist. Das Resonanzprinzip funktioniert in der alten wie in der neuen Welt. Also für mich müsstest du, wenn wir vom Neuen sprechen, die Resonanz streichen, beim Rest bin ich einverstanden.

Foto: Karl Büchel
Rosa Schwarzl: Resonanz ist hier im Sinne des Schwarmbewusstseins gemeint – sich mit dem Mitfeld in Resonanz zu begeben, um ein harmonisches Leben zu ermöglichen. Die Resonanz ist nicht neu und in einem neuen Weltbild muss nicht alles neu sein. Auch das Lebensprinzip, dass alles im Einklang mit der Schöpfung existiert, ist nicht neu.
Ich glaube, wir brauchen nichts Neues, sondern eine Rückbesinnung auf das Alte. Vor der Industrialisierung hat man viel mehr in diesen Prinzipien gelebt. Wir brauchen für diese neue Zeit nichts neu zu erfinden, sondern uns an unsere Wurzeln zu erinnern. Bloss nichts Neues und nicht immer etwas Aktives, sondern ein Innehalten, um sein zu lassen, was die Schöpfung uns vorgibt und was jeder spürt, wenn er sich lässt. Das Sich-Einlassen ist für mich das eigentliche Prinzip.
Stefan von Arb: Ich will in dieser Geschichte lieber vorwärtsgehen und nicht retour. Wenn wir sagen es geht mal hoch und mal runter, es löst sich ab, dann müssen wir schon benennen wohin wir zurückgehen, sonst gehen wir wieder in ein altes matriarchales Prinzip zurück. Da sind wir uns vermutlich relativ schnell einig, dass wir meinen, das matriarchale Prinzip wird stärker und ist zwingend notwendig.
Simone Leona Hueber: Die Begriffe vor und zurück sind obsolet. Im weiblichen oder intuitiven Prinzip, wie ich es gerne beschreibe, gibt es Raum und Zeit nicht.
Rosa Schwarzl: Super, danke. Das war der klärende Satz.
«Im intuitiven Prinzip gibt es Raum und Zeit nicht.»»
Simone Leona Hueber
Vermitteln was wir leben – Ethik des Geomanten
RR: Von Italien bis Norwegen werden Kunststoffe in Böden, Möbeln, Wärmedämmungen und petrochemischen Beschichtungen verbaut und hinterlassen damit riesige Gebirge von Sondermüll – ein Beispiel für eine veraltete Ökonomie. Eine zukunftsfähige Entwicklung verlangt nach Taten, nicht nach zusätzlichen Regeln und Theorien. Wir dürfen nicht darauf warten, dass andere aktiv werden. Es geht darum, das Wissen in die Praxis umzusetzen und ein entsprechendes Leben zu führen. Erwächst daraus eine ethische Verantwortung für unser Handeln als Akteure unserer Fachbereiche?
Stefan von Arb: Ich hoffe schon.
RR: Ist es möglich, als Architekt oder Bauingenieur die heute konventionelle Bauchemie einzusetzen und gleichzeitig als Rutengeher und Heiler gute Arbeit zu leisten?
Hendrikje Arzt: Nein, natürlich nicht.
Rosa Schwarzl: Nein. Auf keinen Fall.

Foto: Dimitris Mytikas
Simone Leona Hueber: Ich spüre, dass ich in die Schwäche komme, wenn das Umfeld zu niedrigschwingend ist. Ich wende enorm viel Energie auf, damit ich die Frequenz des Feldes wieder nach oben ziehen kann. Von wegen Zeitgeist: Unsere Arbeit ist ganz wichtig.
Rosa Schwarzl: Für mich ist es essenziell, dass wir das arbeiten und leben, was wir zu anderen sagen. Ich stelle fest, dass das zu wenig stattfindet. Einige sagen: «Na ja, das kannst du so nicht leben.» Oh ja, ich versuche das so zu leben. Und Simone, nur wenn ich das lebe, bin ich in meiner Kraft. Sobald ich aus dem herausfalle, ist es ein Weg zurück. Ich glaube, das ist eine Lebensauffassung. In meinem Innersten ticke ich so, wie ich nach aussen leben möchte. Das ist in erster Linie anzustreben. In den Seminaren gehört grundsätzlich unterrichtet, das zu leben! Das ist nicht, was man lernt, um zu Hause wieder ganz anders zu leben. Da stimmt die Energie nicht. Zu den Dingen, zu denen ich uneingeschränkt stehe, habe ich genug Zuspruch, die Menschene spüren, dass ich das lebe. Ich wünsche mir, dass wir dies in unserer Community viel mehr besprechen und offenlegen, da es ein grundlegendes Lebensprinzip ist. Das ist nicht ein Job bei dem man um 18 Uhr die Türe schliesst. Das bezieht sich wirklich auf den Umgang mit allen Wesenheiten.
Hendrikje Arzt: Es braucht genau diese Sensibilität, um den Menschen zu vermitteln, dass sie dieselbe Sensibilität bereits in sich tragenen. Deshalb suchen sie Hilfe bei uns.
Stefan von Arb: Heute sprechen viele von den Rahmenbedingungen. Wenn sie zu unserem Weltbild passen, helfe das. Wir können auch unter schlechten Rahmenbedingungen Gutes tun. Ich beschäftige mich mit Mahatma Gandhi und bin begeistert, was er in Bewegung gebracht, wie er sein Tun und Leben komplett umgestellt hat. Ich habe grosse Hochachtung vor diesem Menschen und wie er die Massen mitnehmen konnte.
Praxis-Tipp: Die göttliche Leere
Belinda Reinhardt: Dieser Praxis-Tipp ist inspiriert durch ein besonderes Erlebnis, das ich an einem sogenannten Ahnenraum hatte. Diese Orte findest Du an alten Begräbnisstätten, in Kapellen und Krypten. In der Natur sind es oft Moorgebiete. Dort ist der Zugang zu den Seelen von Verstorbenen und zu nichtkörperlichen Zuständen leichter. An einem solchen Ort konnte ich während einer Wahrnehmungsmeditation den Raum zwischen meinen Zellen spüren. Ich sah die Schwelle, wo sich Materie und Nichtmaterie berühren, der Ort, wo sich die Dinge auflösen und wieder neu zusammenfügen. Nicht, dass sich mein Körper vollkommen aufgelöst hätte – es war etwas anderes. Ich hatte das Gefühl, dass in dieser Leere zwischen der Materie meines Körpers, der göttliche Funke sitzt und dass diese Leere unendlich gross ist. Mein Bewusstsein konnte den Augenblick zwischen körperlicher Auflösung und Körperlichkeit wahrnehmen und ausdehnen. Es war wie ein ewiger Stillstand dieses Übergangs und ein Geschenk tiefen Wissens.
An solch einem Ort ist es für mich sehr leicht, in tiefe Versenkung zu kommen und diese Leere zwischen meinen Zellen zu spüren. Ich möchte erwähnen, dass dieses Erlebnis in direktem Zusammenhang mit dem Ahnenraum steht, der dies ermöglichte. Weil sich dort Materie und Nichtmaterie berühren, ist an solchen Orten der Tod nicht weit. Gleichzeitig waren alle Teile meines Organismus vollkommen präsent, wie auseinandergeschoben und ich war mir meiner Körperlichkeit bewusst.
Vielleicht möchtest du diese besondere Leere in Dir spüren? Lasse Dir radiästhetisch den Ort eines Ahnenraums anzeigen. Gehe an diesem Ort in die Stille, strecke alle Antennen aus, erspüre den Raum und seine Qualitäten.
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Anmerkungen
1 Johann Gottfried von Herder, 1744–1803, prägte den Begriff der Zeitgeister in Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend, Riga 1769: Zeitgeister leiten die menschheitliche Entwicklung, indem sie die geistige Führung der einzelnen Kulturepochen übernehmen und dabei das Verhältnis der verschie-denen kulturtragenden Völker und ihrer Volksgeister zueinander regeln. anthrowiki.at
2 Spekter – Spektren sind riesige Egregore, bestehend aus menschlichen Gedankenformen und Emotionen, stark hochgespielten kollektiven Befürchtungen.
3 Nothingness Bliss Process NBP – der Glückseligkeit-im-Nichts-Prozess
4 Ratio – Vernunft, durch Denken zur Erkenntnis kommen
5 Martin Heidegger Sein und Zeit, de Gruyter, 19. Auflage 2006
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