Perlen aus dem Archiv – Von einem Geist geschildert, Teil 1
Der Arm wird auf ein kleines Tischchen gelegt. Das Tischchen steht auf drei Beinen, zwei davon sind Rollen, das dritte Bein ist eine Feder. Das ist ein Psychograph. Das Medium legt seine Hände auf das Tischchen. Wenn genügend Energie vorhanden ist, beginnt sich die Feder in Bewegung zu setzten und Worte und Sätze auf einen Bogen Papier zu schreiben.
Auf diese Weise wurde alsbald meine Hand ohne mein Zutun zum Schreiben gebracht und ich fand ein Vergnügen daran, eine Menge Fragen über die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft an den schreibenden Geist zu richten. Wie fast alle Neulinge auf dem Gebiet spiritistischer Forschung bildete ich mir ein, ein Geist müsste natürlich allwissend sein, wurde äusserst leichtgläubig und gutmütig genug, alles für bare Münze hinzunehmen, was man mir schrieb. …
Ungefähr ein halbes Jahr nach diesen bitteren Erfahrungen wurde ich darauf gebracht, ein anderes Entwicklungsmedium, Frau Woodforde, zu versuchen, die eine besondere Gabe besitzen sollte, nicht nur das Talent des Schreibens zu fördern, sondern auch Einflüsse niederer Geister zu bannen. In Frau Woodforde lernte ich nun eine Dame von Bildung und feinem Geschmack kennen und ihre Erfahrung und ihr Rat warfen auf so Manches, das mir dunkel geblieben war, ein klares Licht. So wurde sie mir äusserst nützlich und wertvoll, indem ich für die Folge Gefahren vermeiden lernte, denen ich bisher nur mit knapper Not entgangen war. Diese Gefahren können Anfänger, die mit ihrer mediumistischen Kraft spielen, nicht scharf genug im Auge behalten. Wofern eine solche Kraft nicht von vornherein unter sorgsamer Aufsicht entwickelt und mit äusserster Vorsicht überwacht wird, läuft das Medium Gefahr, der Spielball frivoler und trügerischer Geister zu werden, die in der anderen Welt so zahlreich vertreten sind, als in dieser.
Wenn das Medium nur den volkstümlichen Irrtum aufgeben will, dass ein Geist unter allen Umständen ein erhabenes Wesen ist, während er in Wirklichkeit gerade so menschlich denkt und schwach ist als es selbst, so wird es die Mitteilungen der Geister auf ihren richtigen Wert bringen, statt sie mit gutmütiger Leichtgläubigkeit, wie es nur zu gewöhnlich geschieht, aufzunehmen. In Folge dieser törichten Voraussetzung geben so viele das Schreiben mittels des Psychographen auf, da sie auf den Gedanken kommen, es sei alles teuflischen Ursprungs, während sie doch nur durch alberne Fragen alberne Antworten hervorgelockt haben.
Der geistige Körper – das Complement
Es wird hier gleich der Ort sein auseinanderzusetzen, was wir unter materiellem und was unter geistigem Körper verstehen. Der materielle Körper wird von Euch der natürliche oder physische Leib genannt, der geistige Körper wird von uns als das Complement des Ersteren betrachtet, ist nur uns sichtbar und erscheint für unsere Wahrnehrnung materiell und fest, während Euer physischer Leib für uns geisterhaft und durchscheinend aussieht. Was wir die Seele nennen, ist nun weder der natürliche Leib noch sein Complement, sondern das Lebensprinzip, das in dem Letzteren seinen Sitz hat und von dem dieser sowohl als der physische Körper nur Hüllen sind. Wenn wir also von Geistern als Bewohner der Geisterwelt sprechen, so verstehen wir darunter Wesen, die aus einem geistigen Körper und der in diesem enthaltenen Seele bestehen. Ihr seid aber gerade so gut Geister, nur dass Ihr ausser der Seele und dem geistigen Körper noch einen materiellen Körper besitzt. Wir bedienen uns, wenn wir von Euch im Gegensatz zu uns sprechen, lieber des Ausdrucks verkörperte Geister oder Geister und Fleisch, Ihr nennt uns entkörperte Geister.
Es ist uns möglich, das Complement der materiellen Gegenstände von ihrem körperlichen Teil zu trennen und dass dann dieser losgelöste geistige Körper eine Existenz für sich alleine führt. Dies geschieht durch einen besonderen Willensakt, der diesen Gegenstand zu einem eigenen Objekt für die Geisterwelt macht, so dass wir denselben in unseren Besitz nehmen und für unsere Zwecke nutzen können.
So zum Beispiel können wir den geistigen Körper Eurer Stühle herausnehmen und tun das, wenn wir uns setzen wollen und alle Stühle bereits besetzt sind und zwar wegen der geistigen darauf sitzenden Körper, also etwa Deines eigenen. Während Du da auf Deinem Stuhl sitzest, können wir das Complement Deines Stuhls herausnehmen und uns darauf setzen.
Du willst wissen, ob dann nicht Dein geistiger Körper auf die Erde fallen müsste? Nein, gewiss nicht, denn da er mit Deinem physischen Körper verbunden ist folgt er dessen Bewegungen und ist von den Naturgesetzen, die in der Geisterwelt herrschen, unabhängig, wenigstens so lange Du im wachen Zustand bist.
Du siehst nicht ein, wozu wir Stühle brauchen? Wir sind denselben Naturgesetzen unterworfen wie Ihr und müssen auch etwas haben, worauf wir stehen und sitzen. Im Allgemeinen reicht unsere Willenskraft aus, uns zu tragen, doch ermüden wir dabei so gut wie Ihr und bedürfen gelegentlich der Ruhe, obgleich wir nie schlafen. Die besondere Ausübung der Willenskraft, welche erforderlich ist, um das Complement eines Gegenstandes von dem materiellen Teil desselben zu trennen, steht nicht allen Geistern zu Gebote, ganz einfach weil sie zu unwissend in diesen Dingen sind. Wir haben ebenso auch bessere Mittel, uns vom einen Ort zum anderen zu bewegen als ihr auf Erden, aber es gibt zahllose Geister die auch hierin zu unwissend sind, als dass sie sich dieser Vorteile bedienen könnten.
Beziehungen der Geister
Du siehst noch nicht recht ein, wie Geist und Körper in Eurem Wesen zusammen operieren. Der Körper ist eine Art Maschine, welche der Geist in Gang erhält und beherrscht. Der Geist sieht und fühlt durch den Körper und ist in dem Wahn, dass etwas anderes als die Körperwelt nicht existiert. In der Tat weiss der Körper von dem Geist gar nichts, was uns Geister in nicht geringe Verwunderung versetzt, wenn wir manchmal die Unterhaltungen der Menschen, die sich über derartige Fragen besprechen, belauschen. Wir können alles verstehen was Euer Geist durch den Körper ausspricht und ein gutes Teil von dem, was er nicht laut oder durch den Körper äussert, denn wir Geister hören als ausgesprochene Worte alles, was die Menschen sich im Stillen sagen und wenn es Geister auf gleicher Stufe mit Euch sind, so können sie dasjenige lesen, was bloss als Gedanke in Euch aufsteigt.
Ja wohl, Du hast ganz recht zu sagen «Wie unangenehm das ist!» Die Gedanken und die für sich gesprochenen Worte der Menschen sind auch keineswegs Dinge, die ihre Geisterfreunde gern hören und das ist ein Grund, warum wir es meiden uns viel in der Gesellschaft von Menschen aufzuhalten, da wir unter ihnen uns nicht, wie in der Sphäre, diejenigen auswählen können, die uns zusagen. Es ist oft recht unangenehm, die Bemerkungen, welche Freunde, Verwandte und Fremde übereinander machen, mit anzuhören und nun gar die niedrigen, nichtswürdigen Gedanken, auf welche die Männer kommen! Es ist wahrhaftig ganz wohltuend, einmal auf einen Mann mit reiner Denkweise zu stossen. Wir wissen sehr wohl, dass auch Männer mit reinem Sinn es nicht immer vermeiden können, dass auch böse Gedanken ihnen in den Kopf fahren, aber sie sollten sie hassen und verachten, dann würden sie nicht sobald wiederkommen.
Du wunderst Dich, wie Geister, wenn alles was Du über ihre Welt gehört, wahr ist, daran Gefallen finden können, sich mit Menschen abzugeben, statt in den herrlichen Gegenden und der Gesellschaft der Sphäre zu bleiben. Der Grund davon ist einfach der, dass wir es lieben, Gutes zu tun und andererseits würde ein ununterbrochenes Leben im Genuss sehr bald ein Wesen übersättigen, das der Segnungen, welche ein allgütiger Vater so verschwenderisch über die Bewohner des Sommerlandes (wie wir die höheren Sphären nennen) ausgestreut hat, würdig ist. Wir kommen gern zur Erde zurück, um die Sorgen und Prüfungen, denen unsere Brüder in ihrer irdischen Pilgerschaft ausgesetzt sind, zu verfolgen. Wir finden, dass wir dazu beitragen können, sie moralisch zu heben und wenn sie es vermöchten, einen Blick hinter die Szene zu werfen, statt die Existenz anderer Wesen als sie allein stets zu bezweifeln, so würde die Menschheit viel glücklicher sein, denn sie würde aus unseren Erfahrungen lernen, wie wichtig die meisten Ziele sind, die sie mit soviel Eifer verfolgt. Manche von uns haben Verwandte auf Erden, die sie lieben und denen sie zu nützen wünschen oder wir kommen aus reiner Liebe zur Gesamtheit, wie der erhabene Lehrer, der das Christentum in die Welt brachte. Kurz, wir kommen in der Absicht, irgend Jemand wohlzutun. Wenn ich sage wir, so meine ich Geister aus unserer Stufe, nicht die niederen.
Die Sitzung aus Sicht der Geister
Wir sagen, die Leute im Zirkel sind für uns nur um ein geringes weniger körperlich als diejenigen, welche hinter ihrem Rücken sehen; damit meinten wir aber den physischen Körper, denn eigentlich betrachten wir, wie schon bemerkt, den geistigen Körper (das Complement) als den wirklichen Menschen. Natürlich wollen wir damit nicht sagen, dass der physische Körper unwesentlich sei. Wir sind vielmehr der Ansicht, dass er in der Tat von sehr grosser Bedeutung ist, da durch ihn der geistige Körper aufgebaut wird. Während beide verbunden sind, steht der geistige Körper zu dem leiblichen in einem Verhältnis, aber wenn dies eher gelöst wird, als der geistige Körper zu seiner vollen Entwicklung gelangt ist, muss dieser sich bei uns aus der geistigen Atmosphäre durch Absorption selbst weiter ausbilden.
Jene Leute, die um den Tisch sitzen, stecken alle sozusagen, in ihren geistigen Körpern, welche genaue Gegenstücke zu ihren irdischen Körpern sind und obgleich diese beiden Körper so innig miteinander verbunden sind, dass sie einen einzigen Körper auszumachen scheinen, können sie für längere oder kürzere Zeit getrennt bestehen und das geschieht in der Tat häufig genug, wie wir Dir gelegentlich nachweisen werden.
Das Verhältnis des physischen zum geistigen Körper
Wir haben gesagt, dieser geistige Körper ist ein genaues Gegenstück zu dem leiblichen Körper und dies bezieht sich auch auf die Kleidung; so dass, wenn ein Mensch durch die Pforte des Todes geht, er das Complement seiner Kleider anbehält, denn sie sind von seinem Magnetismus getränkt und passen sich seinen neuen Bedürfnissen sofort an.
Du siehst nicht ein wozu ein Geist überhaupt Kleider braucht, aber die sind ihm teils des Anstandes, teils der Wärme halber gerade so nötig als Euch auf Erden. Wir sprechen jetzt nämlich von den noch an die Erde einstweilen gefesselten Geistern. Die materiellen Kleider, welche der Mensch besass, können nach dem Tode des Besitzers verbrannt oder weggegeben worden sein, das macht keinen Unterschied; der Geist des Dahingeschiedenen bleibt im Besitze des Complements derselben.
Du kannst Dir nicht denken, dass wenn das geistige Complement von dem materiellen getrennt worden ist, es noch als ein besonderes Wesen fortbestehen kann; aber die Sache ist die, dass dies geistige Complement all dieselben Prozesse durchgemacht hat wie der materielle Stoff und dass sie von Anfang an zwei getrennte Wesen waren und gerade so verschieden voneinander sind als Dein Geist und Dein Körper, so dass wenn auf irgendeine Art das Band zwischen Beiden gelöst ist, die beiden Dinge für die Zukunft voneinander getrennt bestehen können.
Du möchtest wissen wie es zugeht, dass das Complement eines materiellen Gegenstandes diesem, wenn dessen Stelle verändert wird, folgt und wie es in seinen Eigenschaften zugleich mit dem materiellen Körper gewisse Veränderungen erfahren kann? Wir erwidern darauf, dass zwischen Beiden, ähnlich wie beim menschlichen Körper und seinem Geiste, eine Verbindung besteht und dass das Eine nicht ohne das Andere bewegt werden kann, wofern man sie nicht trennt. Wenn das geschieht, so verursacht man dadurch aber noch nicht wie beim Menschen ein Zerfallen oder einen Schaden, weil ein materieller Gegenstand leblos ist und deshalb nicht bei einer Trennung von seinem Complement absterben kann. Übrigens ist das geistige Complement ebenso leicht zerstörbar wie der materielle Körper.
So sind denn, wie Du siehst, zwei Welten, die physische und die geistige, ineinander geschachtelt, von denen die eine das genaue Gegenstück der andern ist.
Du hast ganz Recht anzunehmen, dass in Euren Städten geistige Häuser existieren und geistige Wagen herumfahren müssen, die von geistigen Pferden gezogen werden, die wieder auf geistigem Pflaster laufen. Das scheint Dir so absurd, dass Du glaubst wir scherzen, aber wir versichern Dich, die Sache ist völlig wahr und warum sollte denn, da von dem Stuhl, auf dem Du sitzest, so ein Complement existiert, keines von einem Wagen oder dem Pferde oder dem Pflaster existieren?
Du meinst, es könne doch keine Geister von Pferden geben, ohne dass das Pferd eine unsterbliche Seele hat; Du musst bedenken, dass wir nicht gesagt haben wollen, es gebe Pferdegeister von gestorbenen, sondern nur von lebenden Pferden. Nach dem Tode des Tieres ist das geistige Complement desselben nur eine Masse geistiger Materie und zersetzt sich mit der Zeit gerade wie jeder Leichnam; aber das Complement eines leblosen Gegenstandes wie zum Beispiel ein Stein oder ein Stück Holz zersetzt sich nicht eher als der körperliche Gegenstand selbst. Mit der Zeit verfällt das Complement oder geht andere Verbindungen ein, gerade wie der materielle Teil und wenn alsdann ein neuer materieller Körper entstanden ist, so tritt in diesem das Complement des Letzten an die Stelle des Ersteren.
Du denkst Dir nun, das Complement eines Gegenstandes müsse für immer bei diesem bleiben, aber das ist ein Irtum. Dies Complement kann von Geistern herausgenommen und benutzt werden, so dass diese den Vorzug geniessen, sich alle Eure Erzeugnisse ohne weitere Kosten anzueignen. Und wenn ihnen etwas bei Euch gefällt, so nehmen sie es einfach mit.
Macht ist in der Geisterwelt Recht, wenigstens auf der Erde und wenn zwei Geister mit ihrem Geschmack auf ein und denselben Gegenstand verfallen, so nimmt ihn der, welcher den stärkeren Willen besitzt. Aber es ist so viel herrenloses Eigentum zu finden, dass es niemand schätzt oder begehrt, denn Aller Wünsche können befriedigt werden. Wenn wir sagen herrenloses Gut, so meinen wir Complemente, die durch Geisterkraft oder durch Feuer von ihren materiellen Körpern getrennt worden sind.
Die Kleidung der Geister
Du denkst, es mag wohl richtig sein, dass das Complement eines Gegenstandes fortbestehen kann, wenn der körperliche Teil vom Feuer verzehrt ist, aber Du siehst nicht ein, wie die Beiden getrennt werden sollen, ohne dass Einer dabei verletzt wird. Dennoch ist es so und Du kannst von Eurem Standpunkt aus Dinge, welche noch ihr Complement besitzen, gar nicht von solchen unterscheiden, die es nicht mehr besitzen.
Du denkst Dir, es müsse doch so natürlich ein Gesetz vorhanden sein, nach welchem sie zusammengehalten werden, gerade wie Du es an dem menschlichen Körper kennst, und dass eine Trennung Beider doch nur unter Verletzung dieses Gesetzes vorgenommen werden könnte, so dass eine merkliche Veränderung die Folge davon sein müsste. Das ist auch richtig, aber dies Gesetz können wir Dir nicht begreiflich machen, noch auch warum Ihr mit Euren Sinnen einen solchen Unterschied nicht wahrnehmen könnt: Ein Beispiel von einer Trennung des Complements vom materiellen Gegenstande und von dem weiteren Fortbestehen des Ersteren hast Du darin, dass jeder nach seinem Tode durch seine Willenskraft das Complement seiner Kleider mit sich nimmt, wie vorhin gesagt wurde. In diesem Falle wird die Trennung unbewusst von dem Geiste herbeigeführt.
Wir wollen Dir nun einmal eine Szene beschreiben, wie sie gewöhnlich bei der Beerdigung solcher Individuen vorkommt, die da glauben, es gibt in der Welt keine anderen Wesen als diejenigen, welche sie mit ihren Augen sehen können. Der Geist eines solchen Menschen entsteigt dem materiellen Körper in der Weise wie es von Andrew Jackson Davis und anderen Hellsehern beschrieben worden ist und derselbe Mann, der vor einigen Augenblicken dachte, er werde sterben, befindet sich plötzlich wieder ganz wohl und sieht sich mit seinen alten Kleidern bekleidet. Er ist an dieselben so sehr gewöhnt, dass er ohne sie nicht leben kann.
Du sagst, das ist noch keine Erklärung dafür, dass er mit einem Mal in ihnen steckt, da er doch erst kurz zuvor ohne sie im Bette lag. Richtig! Aber ein Geist würde ganz unbewusst, wenn er im Jenseits erwacht, durch seine Willenskraft seine Kleider anlegen; indessen sind denn doch seine Gedanken mit seiner Lage zu sehr beschäftigt, um an solche Kleinigkeiten wie seine Kleider zu denken. Diese werden nach alter Gewohnheit, ganz mechanisch angezogen. Wir können hier gleich erwähnen, dass ein Geist des Schlafes nicht mehr bedarf; nur der Körper schläft.
Während nun der Körper schläft, bleibt der Geist in der Nähe des Körpers, unterhält sich mit Geisterfreunden, die anwesend sind oder macht auch wohl einen Ausflug in die Ferne. Der Geist ist oft lebendiger, wenn der Körper schläft, weil er frei von allerlei Sorgen ist: Also wenn der Körper schläft, wacht der Geist und kann sich unterhalten und amüsieren.
Der Geist während der Körper schläft
Obgleich, wie gesagt, der Geist so lange der Körper wach ist, über das was in der Geisterwelt vor sich geht, sich nicht bewusst wird, so erlangt er doch ein Bewusstsein von sich, wenn der Letztere im Schlaf liegt, kann aber nachher dem Körper davon keine Erinnerung mitteilen, woher denn derjenige Teil eines Menschenlebens, der in diese Zeit fällt, für den Menschen so gut wie nicht vorhanden ist. Nichts hindert Deinen Geist, einen ganzen Kreis von Freunden aus der Geisterwelt um sich zu versammeln und mit ihnen zu verkehren, wenn Dein Körper schläft. In der Tat ist es gewöhnlich so, dass Freunde und Führer, die während des Tages um Deinen Körper geschäftig sind, Deinem Geist das Vergnügen ihres Umgangs ebenfalls gewähren. Der Geist kann sich nicht von dem schlafenden Körper fortbegeben, sondern bleibt in seiner unmittelbaren Nähe stets bereit sofort wieder einzutreten, sollten die Umstände es erfordern. Deshalb ist es so schwer, sich einem Schlafenden zu nähern; ohne ihn aufzuwecken. Der Geist sieht alles, was vor sich geht und weckt den Körper, wenn es nötig ist.
Wenn also der Körper schläft, kann der Geist mit Freunden im Zimmer auf- und abgehen, aber er kann, ausser in seltenen Fällen, dies Zimmer im Allgemeinen nicht verlassen. Es ist für den Geist mit Gefahr verknüpft, sich von dem Körper weit zu entfernen, denn das Band, welches beide zusammenhält, könnte dadurch getrennt werden, worauf der Tod des Körpers erfolgen würde.
Du fragst, ob es nicht in dem Wunsch eines Geistes liegen könnte, dies Band zu trennen und ob er die Macht dazu hat, wenn ihm zum Beispiel das Leben im Körper zur Pein wird. Darauf erwidern wir, nein: denn es ist ja nicht der Geist, der des Lebens überdrüssig ist; der Körper leidet ja nur. Zwar sprecht Ihr von einer «glücklichen Erlösung» des Geistes von irdischen Leiden, aber das ist nur ein Bild, welches tatsächlich ohne Wahrheit ist, da der Geist nicht wie der Körper Leiden ausgesetzt ist. Ausserdem weiss er, dass, wenn er sich auf diese Weise vom Körper befreien wollte, seine Leiden grösser sein würden, als irgendeine Pein, so lange er mit dem Körper noch vereint ist. Der Körper bewahrt den Geist vor solchem Leiden, das nach dem Tode nur über ihn kommen würde, nicht über den Körper.
Die Beziehung Geist und Körper
Wir sprechen hier nur von den gewöhnlichen Plagen und Sorgen des Lebens. Freilich leidet in Krankheitsfällen mit dem Körper auch der Geist und muss dies Leiden, welches er nicht von sich auf den Körper übertragen kann, ertragen. Wenn der Geist eines Menschen die ernstliche Sehnsucht fühlt, sich vom Körper zu befreien, so hat er ohne Frage die Macht, durch Übung seiner Willenskraft es auch dahin zu bringen und wenn wir diese Sehnsucht, sich von seinem Körper zu trennen, in Deinem Geist wachrufen wollten und er darin willigte, so brächten wir es fertig. Ebenso ist, wenn ein fremder Geist den innigen Wunsch hegt, eine solche Trennung des Geistes eines Freundes auf der Erde von seinem Körper herbeizuführen, dieser Wunsch gar nicht ohne Wirkung und er könnte wirklich den Tod einer solchen Person durch eine Lockerung dieses Bandes veranlassen. Und wenn ein böser Geist aus Rache oder sonst einem Grunde seine Willenskraft darauf richtete, dass eine gewisse Person auf Erden sterben soll und diese wäre nicht von ihren Geisterfreunden beschützt, deren Willen stärker wäre als der der Feinde, so würde der Tod einer solchen Person beschleunigt werden. Die Schlechten aber handeln gewöhnlich doch nicht ohne einen Grund und es liegt eben keine Veranlassung für Geister vor, den Tod eines Menschen zu wollen, weil sie dabei nichts gewinnen würden. Freilich gibt es in der Geisterwelt eine Menge solcher, die gewisse Menschen hassen und ihnen nur zu gern Schaden zufügen möchten, sei es, indem sie ihrem Leben ein Ende zu machen oder Krankheit und Unglück über sie zu bringen suchen und oft genug bringen sie das, wenn jene keine Geisterfreunde haben, auch wirklich fertig.
Aus Das Leben jenseits des Grabes. Von einem Geist geschildert
Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Robert Friese,
Verlag Oswald Mutze Leipzig, 2. Auflage 1893
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe.
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