Perlen aus dem Archiv – Von einem Geist geschildert, Teil 2
Von einem Geist geschildert, Teil 1
Kleider der Geister
Von einem höheren geistigen Standpunkt aus sind Deine Gedanken Deine Kleider und Keiner möchte oder würde Deine Gedanken als die Seinigen annehmen, denn sie sind eben Dein ausschliessliches Eigentum und würden im Allgemeinen einem Andern nicht zusagen. Mit anderen Worten, Du kannst Deine Kleider gar nicht anders loswerden, als wenn Du Deine Art zu denken änderst und danach strebst, selbst besser zu werden, denn diesen Sinn kann Dein Wunsch, eines Andern Kleider zu besitzen, in der Geisterwelt nur haben. Dies ist der beste Vergleich, den wir zwischen den Begriffen Kleider bei uns und Kleider bei Euch aufzustellen wüssten. Du wirst natürlich Deine Gedanken nicht ändern wollen, ausser wenn Du dabei gewinnen könntest und da die Leute im Allgemeinen glauben, dass sie Recht haben, das heisst, dass ihre Gedanken die richtigen sind, so haben sie natürlich keine Lust sich die Gedanken Anderer, das sind eben bei uns ihre geistigen Kleider, anzueignen.
Wir sehen das Complement Eurer Kleider mit dem Magnetismus Eurer Gedanken gesättigt und dieser ändert ihr geistiges Aussehen, so dass sie nicht lange so bleiben können, wie sie waren, als sie zuerst angezogen wurden; im Gegenteil, sie werden durch den Magnetismus dessen der sie trägt, zu ganz etwas Anderem umgewandelt, denn dieser Magnetismus ist dem Stoff nahe verwandt und wird von jedem Wesen im Fleisch in eine Sphäre, die ihn umgibt, ausgestrahlt und diese entspricht in jedem Individuum seinem geistigen Zustande. Auf diese Weise geht es zu, dass auch bei einem Geist die Kleider den Charakter und die Gedanken desselben abspiegeln.
Magnetische Aura
Du siehst nun wohl, dass diese magnetischen Sphären, die Aura, welche den einzelnen Personen in ein und derselben Familie eigen sind, sich voneinander sehr unterscheiden können und doch sind diese Personen gezwungen, zusammen zu leben und miteinander so gut es geht zu verkehren: Da werden die Sensitiven vom Magnetismus der Kräftigeren förmlich erdrückt. Wie nun der Magnetismus, der also der Materie verwandt ist, von einer Person auf eine andere einwirkt, so füllt er auch Eure Zimmer an, in denen Ihr wohnt, so dass seine Einwirkung oft von Menschen empfunden wird. Recht sensitive Personen fühlen solche Einwirkung oft in dem Augenblick, wo ein Fremder ins Zimmer tritt. Ebenso wie nicht alle Personen in ihren Gedanken übereinstimmen, so mischen sich auch nicht die verschiedenen Magnetismen, welche verschiedene Personen ausstrahlen, immer gleich gut. Einige Leute haben einen Magnetismus, der ganz besonders mit dem Anderer disharmoniert. Solche fühlen sich, wenn sie zusammen kommen, unangenehm berührt und wenn sie gezwungen sind zusammenzubleiben, so muss es der Schwächere oder weniger Positive, mit der Gesundheit seines Körpers und seines Geistes bezahlen. Ist das aber der Fall, so müssten solche Leute sich trennen. Es macht dabei keinen Unterschied ob sie Mann und Frau oder Bruder und Schwester sind: Die Naturgesetze wollen befolgt werden. Der Magnetismus, den der Einzelne erzeugt, wird nicht notwendigerweise vom Körper allein hervorgebracht, sondern der Geist ist für die Gedanken, die ihn durchziehen verantwortlich. Wenn es böse Gedanken sind, wird diejenige Person, welche von diesem Magnetismus berührt wird, auf böse statt auf gute Gedanken gebracht.
Die Gedanken des Geistes geben also dem Magnetismus, welchen der Körper entwickelt, eine gewisse Färbung oder Eigenheit und diese Gedanken haben auf Andere, die gerade innerhalb der Aura der denkenden Person sind, eine Wirkung und können diesen nützen oder schaden, je nachdem sie mit den Gedanken derselben übereinstimmen oder ihnen zuwider sind.
Daraus erkennst Du, wie wichtig es ist, Eure Gedanken rein zu erhalten, eine Pflicht, die wir ebenfalls haben. Damit Ihr nicht in die Lage kommt, auf diese Weise Andern zu schaden.
Andererseits ist es ebenso richtig, dass ein Mensch ganz ausserordentlich gut unbewusst wirken kann, dadurch, dass er ein gutes Leben führt und Andere durch sein Beispiel und durch die ihm eigene magnetische Aura beeinflusst, welche den moralisch Gesunkenen, mit denen er in Berührung kommt, vorteilhaft ist.
Unsere Denkweise hat Einfluss auf Andere
So kann ein Mensch, der ein reines Leben unter Unreinen führt, ganz ebenso viel Gutes tun wie Einer, der Tausende für wohltätige Zwecke hergibt. Der Eine spendet geistige Wohltaten, der Andere zeitliche Güter. Wir kennen viele, die ein reines Leben führen und in ruhiger, bescheidener Art mit ihren Mitmenschen verkehren und diesen in mancher Hinsicht, wo sie es gar nicht gewahr werden, Gutes erweisen, was sie aber dereinst schon noch erfahren werden. Diese teilen nicht bloss durch ihr Beispiel, sondern auch durch ihre magnetische Aura und deren heilsamen Einfluss auf Andere förmlich Wohltaten aus. Diese Wohltaten gehen nicht allein von dem heilsamen Einfluss ihrer eigenen Person aus, sondern diese Wirkung wird noch durch den heilsamen Einfluss ihrer Geisterfreunde vermehrt, die in ihrer Begleitung sind, denn auch wir bringen in ganz derselben Weise Segen über andere Geister, wie Ihr über andere Menschen. Der gute Mensch und seine Freunde bilden ein Bollwerk von Reinheit, von dem Einflüsse ausstrahlen, welche auf die Geister Eurer schlechten Menschen einwirken. Diese Geister werden weit eher die Existenz und die gute Wirkung einer solchen Kraft gewahr als der Menschen, welche sie begleiten.
Die Gedanken eines guten Menschen werden von den Eindrücken ihrer geistigen Führer genährt und sind so gut wie laut ausgesprochene, an die Geister der Schlechten gerichtete Worte. Wenn ein Mensch von reinem Herzen bloss in Gedanken, auch wenn er keine Silbe spricht, den Schlechten tadelt und verurteilt, kann er damit ein Schamgefühl im Herzen der Geister dieses Letzteren erregen, welches auf ihren schlechten Freund eine solche Wirkung auszuüben vermag, dass er sich in der Gesellschaft des Ersten unangenehm berührt fühlt.
Du hast vielleicht schon von diesem unheimlichen Gefühl sprechen gehört, welches einen schlechten Menschen beschleicht, der sich einem Mann oder einer Frau gegenüber findet, von denen er instinktmässig fühlt, dass sie besser und reiner als er selbst sind. Die Gedanken eines reinen Menschenherzens haben denselben Wert für die Geister eines irregeleiteten Menschen wie guter Rat und gar nicht selten endet die Sache damit, dass sie sich ihres Freundes im Fleisch schämen und seinen Umgang aufgeben, wodurch sie sich und ihm nützen. Das Sprichwort von der schlechten Gesellschaft und guten Sitten ist bei uns so wahr als bei Euch.
Bei dieser Gelegenheit sei gleich bemerkt, dass es uns scheint, dass Ihr auf der Erde Eure Gedanken bisweilen zu viel für Euch behaltet und wenn Ihr einen schlechten Menschen antrefft, der Euch abstösst, so seid Ihr oft gegen ihn so höflich als Ihr gegen einen guten nur sein könntet, bloss aus einem falschen Begriff von Höflichkeit und Güte. So ein Mann empfindet nicht, dass er etwas Unrechtes getan hat und denkt nicht eher daran sich zu ändern, als bis er in unsere Welt kommt, wo man die Kunst nicht kennt, anders zu sprechen, als man denkt.
Jeder Gedanke des Geistes gibt dem Magnetismus des Denkenden eine Färbung und wenn daher die Leute in der Geisterwelt schlecht von Jemandem denken, so wird das dem Betreffenden sofort gewahr und er fühlt sich verletzt, was ihm Schmerz bereitet und die Strafe ausmacht, die er über sich bringt. Der Schlechte entflieht folglich den Gedanken solcher Leute, weil er ihre Gesellschaft nicht ertragen kann, ehe er nicht wohlwollendere Gefühle in sich aufgenommen hat und zwar dadurch, dass er das Unrecht, was er Anderen angetan hat, wieder gutmacht und auf diese Weise die Abneigung Anderer gegen ihn in Achtung verwandelt.
Erste Erfahrungen
Zu den täglichen und stündlichen Erfahrungen, die wir sammeln, wie es aber für uns ganz unmöglich ist, Euch begreiflich zu machen, gehört der Geistesverkehr zwischen Wesen, deren geistige Körper Millionen Meilen voneinander entfernt sind und die Tatsache, dass wir in einem Augenblick bei jenen entfernten Freunden und wieder zurück bei Euch sein können, ohne dass Ihr nur einmal unsere Abwesenheit bemerkt hättet.
Wenn wir uns auf der Erde bewegen, sind wir bis zu einem gewissen Grade genötigt, den Gesetzen, welche dort gelten, zu gehorchen. Wir sind dennoch nicht gezwungen, uns dort zu Fuss fortzubewegen. Mit Willenskraft erreichen wir all das und da wir aus einer höheren als der Erdsphäre kommen, geniessen wir auch grössere Vorrechte und somit können wir uns selbst auf der Erdfläche durch Willenskraft bewegen, obgleich die gewöhnlichste Art der Bewegung der Geister auf der Erde der Eurigen ähnlich ist, nämlich zu Fuss. Natürlich können sie sich Eurer Dampfschiffe und Wagen bedienen. In unserer Sphäre herrschen höhere und idealere Gesetze, aber wenn wir uns Eurer Erde nähern, werden wir Euch in unseren Eigenschaften mehr ähnlich und wenn wir uns Euch bemerkbar machen wollen, haben wir uns Euch anzupassen und wieder gleichsam Einer von Euch zu werden, indem wir für diese Zeit ein ganzes Teil jener Erfahrungen, die wir, seit wir die Erde verliessen, gesammelt haben, vergessen müssen.
Keiner, der nicht den Übergang, den Ihr Tod nennt, durchgemacht hat, kann das Gefühl der Überraschung und Wonne begreifen, mit dem Diejenigen, welche die Erde verlassen haben, um in die Geisterwelt einzutreten, alte bekannte Gesichter wieder finden, deren sie oft gedacht und die sie, wie es scheint, nun in ihrem früheren Zustande vor sich sehen. Die Veränderung, die mit ihnen selbst eben vorgegangen ist, zieht eine Grenze zwischen ihnen selbst und ihren letzten Verbindungen und Umgebungen, so dass ihr neues Leben ein Wiedergeborenwerden ist. Einige glauben, sie erwachen aus einem jahrelangen Schlaf und kommen sich wieder wie Kinder vor, so dass das zwischenliegende Leben nur ein Traum war.
Dies Gefühl entspringt der ausserordentlichen Lebendigkeit ihrer Jugenderinnerungen, welche zuerst in ihrem Geist erwachen. So stellen sie sich beim ersten Eindruck vor, dass alle ihre kürzlichen Sorgen und Mühen vorüber sind und jede Erinnerung an dieselben erloschen ist. Aber dies ist eine Täuschung, weil eine ganz kurze Erfahrung in der Geisterwelt hinreicht, sie zu verscheuchen. Das Gedächtnis lässt sich, wie sie bald erleben, nicht wegwerfen, sondern haftet ihnen förmlich an und wenn sie die ersten Blätter aus dem Buch ihres Lebens durchflogen sind, folgen ebenso ihre späteren Erlebnisse, die sie oft gar zu gern aus ihrer Erinnerung verbannen möchten, die aber ihr Recht in ihrem Andenken aufzutauchen, ebenso in Anspruch nehmen.
Die Tatsache, dass sie sich in einer neuen Existenz befinden, ist den Neulingen keineswegs sofort einleuchtend, denn sie sehen anfangs gar keine Veränderung in ihrer Umgebung. Da steht dasselbe Bett, auf das sie sich erst kürzlich niedergelegt hatten, um zu sterben und jetzt da das gefürchtete Ereignis wirklich eingetreten ist, finden sie, dass sie vor einem halbdurchsichtigen Doppelgänger ihrer früheren eigenen Person, ihrem eigenen physischen Körper stehen, denn Euer Leib ohne sein Complement erscheint uns wie ein geisterhafter Leichnam, von dem der nunmehr getrennte geistige Körper (Complement) uns wie der materielle Körper vorkommt. Die irdischen Freunde des Verstorbenen stehen um dieses sein geisterhaftes Ebenbild, das steif und starr vor ihnen auf dem Bett liegt und weinen und ringen die Hände in Jammer und Verzweiflung. Wie soll der kürzlich erst Auferstandene den gewaltigen Wechsel, der mit ihm in seinem Zustande vorgegangen ist, gewahr werden? Er wendet sich an seine Freunde, aber die nehmen von ihm gar keine Notiz und fahren fort, ihren Jammer und ihre Verzweiflung an die elende Hülle, die vor ihnen liegt, zu verschwenden. Wer nicht eine solche Scene, wie die hier geschilderte mit angesehen hat, kann sich gar keine Vorstellung von der Pein des Geistes machen, wenn er seine Angehörigen so trostlos sieht und weiss, dass er ihnen gar nicht helfen kann, denn der Trost, den er ihnen jetzt so gern spenden möchte, ist ihnen beizubringen rein unmöglich, denn sie hören und sehen ihn ja nicht. Ehe ihm also sein Zustand ordentlich klar gemacht wird, gewahrt er gar nicht, wie jeder leicht einsieht, dass ein solcher Wechsel mit ihm vorgegangen ist.
Hätte er das vorhersehen können, würde er vermutlich Tausende darum gegeben haben, die Pein, die sie jetzt um seinetwillen erleiden, zu sparen. Eine Pein, die ihm natürlich um so schmerzlicher ist, weil er ihnen gar nicht begreiflich machen kann, wie sehr sie im Irrtum sind, wenn sie sein Ende beweinen und wie unbegründet ihr Jammern ist. Es war ja nicht sein Ende, er lebt ja. Das möchte er so gern ihren bekümmerten Herzen zurufen, wenn er die Macht dazu hätte, aber seine Zunge hat für ihre Ohren keine Sprache und ihre Augen sehen nicht mehr sein Bild; was kann er da anderes tun als mit ihnen klagen! Dies vermehrt wieder die Schmerzen der Anderen, denn sein Geist und der ihrige sind sympathisch verbunden, so dass er dieselben Qualen empfindet wie Jene. Auf diese Weise wirkt Einer auf den Andern und die Folge davon ist, dass der Kummer Aller zunimmt.
Könnten die hinterbliebenen Angehörigen nur den freudestrahlenden glückseligen Geist, wie er sich von der hingestreckten Gestalt des toten Körpers erhebt, sehen – denn das erste Gefühl, welches seine Seele, ehe er seine Umgebung erkennt, erfüllt, ist Freude und Dank gegen Gott, den Allmächtigen, der, wie er glaubt, ihm eine neue Frist gewährt hat. Da er ihm eine neue Frist gewährt hat, da er ihm gestattet, sich von seinem Schmerzenslager noch einmal zu erheben: Könnten sie das sehen, sie würden nicht trauern, sondern sich über den Wechsel freuen, der, wenn er sie auch der Gesellschaft eines geliebten Wesens beraubte, für jeden doch als Ziel aufs Innigste zu wünschen ist.
Bei seinem ersten Erwachen sind seine Gefühle denjenigen eines Menschen, der von einem süssen, erfrischenden Schlaf erwacht etwa vergleichbar. Wenn er aber erst die wirkliche Lage der Dinge zu erkennen anfängt, so kann man sich wohl vorstellen, wie bitter er es bereuen wird, jedes Mittel, sich mit den Hinterbliebenen zu verständigen und die erschreckliche Leere aus den Herzen der Theueren zu verscheuchen, vernachlässigt zu haben. Da beklagen diese und beweinen den Verlust eines ihnen Entrissenen, der dicht neben ihnen steht! Wie glücklich könnten sie Alle sein, hätten sie nur den Phänomenen des Spiritismus ein wenig Beachtung geschenkt und irgendeine Art des Verkehrs zwischen den beiden Welten ein wenig geübt!
Kirchliche Lehre über den Tod
Eine solche Szene muss jeden von dem geringen praktischen Wert überzeugen, den die modernen Religionslehren besitzen – da bedarf es weiter keiner Worte unsererseits. Da liegt zum Beispiel ein Geistlicher der Englischen Kirche von seiner Frau und seinen Kindern umgeben die alle den Verlust ihres dahingeschiedenen Lehrers und Verwandten beklagen, der «aus ihrer Mitte abberufen» wurde und dessen ganz besonderer Beruf es war, den Geist seiner Mitmenschen in Betreff des zukünftigen Lebens aufzuklären und dennoch hinterlässt er sie in so völliger Unwissenheit darüber, dass sie nicht einmal den ersten Grundgedanken ihres Glaubens, die Unsterblichkeit ihrer Seele kennen. Der «Freund und Führer», den sie so kürzlich verloren haben, steht in ihrer Mitte und sie wissen es nicht einmal und was noch mehr ist, sie glauben es gar nicht einmal, denn ihrem geistigen Auge ist die Tatsache nicht enthüllt worden. Wären sie dem Rat des Apostel Paulus gefolgt in seiner Epistel an die Korinther und hätten gestrebt nach «geistigen Gaben», von denen eine ist die Geister zu unterscheiden, so wären sie glücklichere Menschen gewesen und konsequentere Bekenner des Glaubens, dem sie angehören. Ihr verstorbener «Hirt und Vater» lehrte seine Gemeinde zu glauben, dass er und sie alle in der Stunde des Todes hinweggenommen werden würden, «um im Schosse Christi zu schlafen» bis zum «jüngsten Tage und der Auferweckung der Toten». Und nun steht er da in ihrer Mitte, während sie die bittere Frucht einer irrigen Lehre, die er in ihre Herzen gesät hat, zu kosten haben.
Unkenntnis der Bibel
Wären sie über den Inhalt ihrer Kirchenlehre ordentlich unterrichtet worden, würden sie ferner mit dem Apostel Paulus gewusst haben, dass es «einen natürlichen und einen geistigen Leib» gibt und dass der Erstere stirbt, aber der Letztere nicht. Sie würden sich daran erinnert haben, dass der Apostel sagt: «Das Verwesliche wird nicht erben das Unverwesliche» und deshalb kann der Körper, der tot vor ihnen daliegt nicht derselbe sein, den jetzt der Geist besitzt, sondern dies kann nur der geistige Leib sein, den der Apostel meint.
Hätten sie dies alles geglaubt, so würden sie sich in der Stunde der Prüfung und der Sorge an diesen Glauben geklammert haben und er würde ein Lichtstrahl gewesen sein, der ihnen unendlich mehr Trost gewährt hätte, als alle ihre Zweifel und Grübeleien über das Dogma der Kirche. Sie würden dann gesagt haben, unser Vater und Gatte, den wir so herzlich liebten, ist nicht tot. Er weilt nicht mehr in dem abgezehrten kranken Körper, den wir vor uns liegen sehen. Er hat den geistigen Körper angelegt, von dem die Bibel spricht und wir sind glücklich in dem Glauben, den uns das Wort Gottes lehrt, denn es nimmt dem Vorgang alles Mysteriöse und gibt uns eine verständige Erklärung von dem Wechsel, den unser teurer Freund durchgemacht hat.
Das ist eine von den Szenen, deren Zeugen wir oft diesseits des Grabes sind. Wenn doch solche Leute lieber versuchen möchten, nach den Glaubenslehren ihrer Kirche zu leben, statt geringschätzig auf die «irregeführten Spiritisten» herabzublicken, deren einziges Verbrechen es ist, dass sie die Wahrheiten der Lehren jenes ehrwürdigen Apostels und Lehrers in Betreff der Unsterblichkeit der Seele als Tatsache erkennen und dass sie danach leben und diesen Glauben nicht bloss mit ihren Lippen bekennen. Nicht wie die Orthodoxen es nur zu oft machen, in ihrer Angst vor dem Tode zu beweisen, dass sie ihn leugnen. Sie würden in der Stunde der Prüfung mehr wahren Trost finden, als in irgendeiner anderen Lehre der Kirche.
Wir wollen die Bemühungen und Arbeiten gewissenhafter Mitglieder der Englischen oder irgendeiner anderen Kirche nicht unterschätzen, aber wir verlangen, dass Diejenigen, welche Andere belehren und im Besitz der Mittel zur Aufklärung ihrer Mitmenschen zu sein behaupten, welche aus dem Studium geistlicher und theologischer Wissenschaften gewonnen werden können, dass ihre Familien und alle anderen religiösen Menschen damit vertraut sein sollen.
Aus Das Leben jenseits des Grabes.Von einem Geist geschildert
Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Robert Friese,
Verlag Oswald Mutze Leipzig, 2. Auflage 1893
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe.
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