Perlen aus dem Archiv – Von einem Geist geschildert, Teil 3
Von einem Geist geschildert, Teil 1
Von einem Geist geschildert, Teil 2
Gedankenlesen
Du möchtest gern wissen, wie wir Eure Gedanken von den im Stillen zu Euch selbst ausgesprochenen Worten unterscheiden, die wir beide, wenn wir bei Euch sind, verstehen können. Nun, die Gedanken, welche Ihr nicht in Worte kleidet, hören wir nicht, sondern lesen sie in Eurem Geist wie ein Buch. Natürlich ist Dir das nicht verständlich, aber es ist der beste Vergleich, den wir kennen. Die Worte aber, die Ihr sprecht, ob laut oder bloss für Euch im Stillen, sind uns alle gleich gut vernehmbar. Wir unterscheiden sie nicht einmal voneinander. Die Einen erzeugen zwar in Eurem Gehör einen Ton, die andern nicht, aber für Geister sind alle Gedanken, ob still oder laut ausgesprochen, gleich hörbar. Du hast ganz Recht, wenn Du daraus schliesst, dass dies in uns, wenn wir Euren Unterhaltungen folgen, eine grosse Verwirrung hervorrufen muss, denn natürlich vermengen wir die Worte, die Ihr zu Andern sprecht mit denen, die Ihr für Euch behaltet und hören folglich oftmals ein Durcheinander, wie das zu Babel. Wenn Leute in Aufregung sprechen, nehmen sie sich keine Zeit, viel zu sich selbst dazwischen zu reden und solche Unterhaltungen sind für uns interessanter. Im Allgemeinen aber ist es uns wenig wert, Euren Reden zuzuhören. Nicht alleine weil es uns schwer wird, herauszubekommen, was Eure Meinung ist, wenn Ihr laut sprecht, sondern weil das, was ihr nicht aussprecht und den Anderen vorenthaltet, recht oft unser Missfallen erregt.
Todesschmerz
Du wolltest ferner noch etwas mehr über den Hergang bei dem Prozess wissen, den der Geist durchzumachen hat, wenn er durch das, was Ihr den Tod nennt, in einen neuen Zustand übergeht.
Wenn ein plötzlicher Tod bei kräftiger Gesundheit des Körpers eintritt, ist der Schmerz der Trennung sehr stark; in Krankheitsfällen hingegen ist er geringer, da alsdann die Bande durch Schwäche und Sinken der Kräfte bereits gelockert sind. Sinken die Kräfte völlig, ist der Verlauf des Prozesses ganz normal und in vielen solchen Fällen ist nicht der geringste Schmerz vorhanden. Dies hängt alles von der Lebensweise und der früheren Gesundheit des Einzelnen ab und je mehr ein Mensch in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Natur gelebt hat, umso normaler und von Schmerzen freier wird die Anstrengung sein, welche der Geist machen muss, um sich aus den Banden des Körpers zu befreien. Wir können annehmen, dass ein natürlicher Tod kein schmerzhafterer Vorgang ist als der der Geburt. Wenn die Bedingungen gleich gut sind, ist das Bewusstsein von den Vorgängen in beiden Fällen gleich gering. Wenn der Geist sich vom Körper befreit hat, zieht er aus ihm den ganzen Vorrat von Lebensstoff oder animalischem Magnetismus¹, der in demselben enthalten ist, heraus und der physische Körper beginnt zu verwesen, denn so wie der Geist denselben vollständig verlassen hat, muss der Verfall seinen Anfang nehmen.
Feuer löst Complement²
Die Leichenverbrennung hat neuerdings ein beträchtliches Interesse hervorgerufen und da Geister im Stande sein sollten, Licht in die Sache zu werfen, wollen wir Einiges darüber sagen. Die Wirkung des Feuers auf alle Materie, die ein geistiges Complement enthält, ob leblos oder belebt, ist die, eine unmittelbare Trennung der Verbindung zwischen den beiden Körpern herbeizuführen. Wenn daher irgendeine Schwierigkeit zu überwinden wäre, um den Geist des Menschen vom Körper zu lösen, würde sie sofort dadurch gehoben werden, dass man den geistigen Körper den Flammen überliefert und da derselbe im Tode in einem bewusstlosen Zustande ist, kann auch der Geist keinen Schmerz infolge einer Verletzung des Körpers empfinden, sowenig wie wenn dieser Körper geschlagen würde. Dagegen würde das Feuer den Geist von einer Anziehung befreien, welche ihn manchmal während einer beträchtlichen Zeit in der Nähe des Körpers zurückhält. Ebenso verhält es sich mit jedem leblosen Stoff, den Ihr verbrennt; das Feuer zerstört nicht den geistigen Körper, sondern es löst ihn vom materiellen Teil und gibt dem Complement seine eigene Existenz frei.
Wir können das geistige Complement nicht von dem materiellen Körper bis zu einer einigermassen beträchtlichen Entfernung fortbringen, ohne vorher das Band, welches Beide zusammenhält, durch ein eigenes Verfahren, welches wir Dir nicht beschreiben können, das aber, wenn richtig angewendet, so wirkungsvoll ist als das Feuer, völlig zu lösen. Im Allgemeinen jedoch bewirkt Feuer diese Trennung, wogegen, wenn ein materieller Körper entfernt wird, wie zum Beispiel wenn ein Haus abgebrochen wird, der geistige bei dem materiellen Teil verbleibt. Wir haben Dir zwar gesagt, dass Geister sich des herrenlosen Guts bemächtigen können und die Frucht Eurer Arbeit geniessen, wenn sie sich den geistigen Teil Eurer Sachen aneignen wollen; aber bedenke, dass wir nicht sagten, sie können sie mitnehmen. Sich ihrer bedienen wo sie stehen ist Eins, mitnehmen etwas Anderes. Eine geringe Strecke kann der Eine vom Andern leicht entfernt werden, gerade wie wir vom geistigen Körper des Menschen es behaupten, wenn der leibliche Körper schläft, aber eine weitere Entfernung erfordert eine besondere Vorbereitung, die völlige Trennung solcher Complemente von ihrem körperlichen Teil verlangt eine grössere Anwendung von Willenskraft, wie denn überhaupt jede Kraft in unserer Welt und in der Eurigen ebenfalls Willenskraft ist, die freilich durch eine Intelligenz geleitet werden muss. Eine grössere Intelligenz kann also leichter eine solche Trennung bewirken. Ein kürzlich Verstorbener bewirkt diese Trennung an seinen Kleidern mit geringerer Schwierigkeit, weil eine stärkere Anziehung zwischen ihm und seinen Kleidern als zwischen ihm und einem fremden Gegenstand besteht.
Da nun also das Feuer eine vollständige Trennung des Complements von seinem materiellen Körper herbeiführt, folgt daraus, dass wenn ein Haus abbrennt, sein Complement an derselben Stelle stehen bleibt, bis das materielle Haus durch ein neues ersetzt wird. Wenn dies nicht geschieht, bleibt das Alte als geistiges Haus stehen, aber das ist, wie Du weisst, nicht oft der Fall. Dennoch sind viele Beispiele von solchen alten Bauten uns noch sichtbar vorhanden, wenn Ihr sie auch nicht seht. Sie werden von neuen Gebäuden in einem eigentümlichen Durcheinander durchkreuzt, weil die Bauleute, die sie ja nicht sehen, neues Material aufbauen, ohne das Alte wegzuschaffen. Könnten sie es sehen, würden sie sich natürlich die Mühe nehmen, es fortzubringen; aber so bleibt alles stehen und liegen, denn in unserer Welt hat Niemand ein Interesse an solchen Dingen. Ihr allein seid die Erbauer, wir sehen nur zu. Die neuen Ziegel und Balken haben ihre Complemente, welche die Alten verdrängen, wo die Beiden in Berührung kommen; wo das nicht der Fall ist, erscheint das neue und das alte Haus von unserem Standpunkt aus zusammengeschoben in einer Art und Weise, die Euch lüderlich und wenig stilgemäss erscheinen würde. So werden auch die heruntergefallenen Materialien nicht weggeschafft und bleiben auf der Erde liegen bis sie mit der Zeit durch andere Ursachen zerstört werden. Das herabfallende Baumaterial (die Complemente) können nicht, wie Du Dir denken kannst, irgendjemand beschädigen, denn die Geister im Fleisch sind bewusstlos und daher unverletzbar und die Geister der Geisterwelt können sich durch Willenskraft schützen.
Feuersbrunst befreit Geister
Wenn ein Haus abgebrannt ist, lösen sich die magnetischen Atome, welche von den früheren Bewohnern ausgestrahlt wurden und die Wände sättigten und fallen zu Boden und befreien auf diese Weise die unglücklichen Geister, die dort vielleicht schon lange durch Anziehung (magnetisch, Macht der Gewohnheit) förmlich gefangengehalten wurden.
So widersinnig Euch das Alles erscheinen mag, in unseren Augen ist es noch widersinniger, dass Ihr die Existenz einer solchen geistigen Materie bezweifeln könnt. Wenn, wie wir und Deine Bibel Dir sagen, ein geistiger Körper des menschlichen Wesens existiert, muss auch von jeder anderen Form und Art der Materie ein solcher vorhanden sein. Dies folgt logisch aus dem Früheren und jeder vernünftige Mensch kann das auch ohne uns finden. Wie könnten wir Geister zu Euch zurückkehren, wenn wir nichts Anderes erblickten, als Eure Complemente im leeren Raum herumspazieren. Es ist uns ganz unerklärlich, dass irgendjemand diese Theorie der Unsrigen, wenn Du es so nennen willst, vorziehen sollte.
Kehren wir zum Geisterhause zurück. Wir sagten, dass Feuer, hier also das Abbrennen des Hauses, die magnetischen Atome, welche an den Wänden haften, loslöst und dadurch die von diesem Magnetismus angezogenen Geister befreit, denn ein Jeder ist in der Geisterwelt mehr oder weniger an seine Heimat gefesselt und wenn sein Haus zerstört ist, sucht er sich natürlich eine andere Stätte. Freilich steht noch sein altes Haus (das Complement desselben), wo es stand, bis Eure Bauleute ein neues aufbauen, aber durch die Entfernung dieser magnetischen Partikel ist das Aussehen des Ganzen in den Augen eines Geistes verändert und er fühlt sich nicht mehr angezogen. Auch für Euch ist ein Gemäuer viel anziehender als ein anderes und zwar durch die Gewohnheit darin zu leben, so geht es auch den Geistern, nur dass sie den wahren Grund davon richtiger erkennen. Ihr sagt, es ist die Macht der Gewohnheit; wir wissen, es ist die Anziehung des Magnetismus als eines Teils Eurer selbst mit dem die Wohnung gesättigt und so zu einem Teil Eures Wesens geworden ist. Wenn also sein Haus abgebrannt ist, sucht der Geist, der dort nicht mehr angezogen wird, ein anderes, was ihn mit Anderen seinesgleichen in Berührung bringt, wobei er oft wirklich erst von andern Wesen und andern Interessen Notiz nimmt – kurz, er wird genötigt, über sich nachzudenken und so kann ein grosses Feuer zu einer grossen Wohltat für die Geisterwelt werden, indem es eine grosse Zahl unglücklicher Wesen, die durch jahrelangen Aufenthalt in ein und derselben geistigen Atmosphäre förmlich gefangengehalten wurden, befreit. Der Abbruch und Umbau eines alten Hauses kann freilich dasselbe bewirken, aber nicht so gründlich als das Feuer, denn meistens wird das alte Baumaterial wieder irgendwie benutzt und die alten Geisterbewohner werden vor wie nach davon angezogen. Die Sache ist die, dass Feuer eine reinigende und säubernde Wirkung auf geistige Materie ausübt.
Du wirst sagen, wenn Feuer nur den materiellen Körper verzehrt, den geistigen aber unverzehrt lässt, müssten die Herde³ unserer Häuser und die Essen⁴ unserer Fabriken für Geister ganz vollgestopft von Complementen von Kohlen, Holz und Papier, die seit 50 oder 100 Jahren da verbrannt wurden, aussehen und unsere Häuser müssten für Euch wegen der darin aufgehäuften Trümmer ganz unpassierbar sein. Ohne Zweifel machen diese Trümmer einen grossen Teil jenes hässlichen Unrats aus, der Eure Strassen und Häuser beengt und ausserdem liegen da noch eine Menge Dinge herum, welche Geister von ihren materiellen Complementen gelöst und liegengelassen haben. Du musst jedoch bedenken, dass Eure Diener, wenn sie die Asche und sonstige Reste von Eurem Herde kehren und dann frisches Brennmaterial auflegen, ganz unbewusst eine Menge geistige Trümmer bei Seite schieben und wegbringen, so dass sie unseren Blicken entzogen werden.
Es gibt nun auch von Allem, was Ihr schreibt, ein geistiges Complement und ein Geist kann eine materialisierte Form davon wieder herstellen, das heisst er kann das geistige Complement davon für eine gewisse Dauer mit körperlichen Stoffen bekleiden, wenn Eure materielle Schrift längst verbrannt ist.
Geister sind alle jung
Wir sagten also, dass der Geist sich von seinem Körper nicht ohne ein Ringen trennt, das heisst der Geist ringt mit sich, strengt sich an, sich vom materiellen Körper loszumachen und steigt von ihm empor frisch und kräftig wie ein Jüngling. Wenn auch der Körper einem Greis angehörte, der Geist sieht aus, wie dieser Greis einst in seiner Blütezeit aussah; auf diese Weise gibt es in der Geisterwelt keine alten Leute, obwohl die Geister ihre geistigen Charaktereigenschaften nach dem Tode beibehalten. Ein Jüngling mit den Gedanken eines alten Mannes kann in den Augen desjenigen, dessen Gedanken jugendlich und frisch sind, wie ein alter Mann erscheinen. Jeder Geist sieht den andern den Gedanken entsprechend, die in ihm leben und wenn diese faul sind, erscheint der Besitzer in seinem Körper ebenso faul, aus demselben Grunde aus welchem die Kleidung eines Geistes unsauber aussieht, wenn er selbst es ist. Wenn er also ein Geizhals ist, das heisst, wenn sein Geist von materiellen statt von geistigen Interessen erfüllt ist, erscheint er uns mehr vorgeschrittenen Geistern wie ein Mann am Bettelstabe, was geistigen Besitz betrifft, ganz einfach deshalb, weil er nie Schätze für den Himmel eingesammelt hat. So geht es zu, dass einer, dessen Sinnen und Trachten stets so recht materieller Art war und wenn er noch so reich bei Euch war, in unserer Welt ein armseliges Wesen ist, denn materielle Güter sind für uns von keinem Wert.
Die frühere Denkweise gestaltet die Umgebung des Geistes
Allerdings gibt es wenige Menschen auf Erden, deren Geist völlig unbeirrt ist. Sie sind alle mehr oder weniger durch Verhältnisse, durch ihre Denkweise und durch körperliche Gewohnheiten verschroben und müssen als Geister erst einige Zeit auf der Erde leben, ehe sie sich zu einer höheren Existenz erheben und die Dinge erkennen können, wie sie wirklich sind.
Diejenigen, deren Sinn auf unsaubere Dinge gerichtet war, werden unsaubere Sachen sehen. Diejenigen, welche bloss auf Gelderwerb gesonnen, haben es gewiss versäumt, Gefühle der Liebe zu Anderen zu pflegen und sind daher selbstsüchtige, kalte und unbeliebte Naturen. Eine natürliche Folge davon, dass sich ihre Gedanken nur mit sich selbst und ihrem Besitztum beschäftigen, ist, dass sie nie ihre Freunde oder Verwandten erblicken werden, weil diese nie in ihrem Herzen Platz fanden.
Dasselbe Gesetz findet auch auf den Mann der Wissenschaft seine Anwendung. Wir sehen von unserem Standpunkt, wie er die Welt für die Zwecke seines Studiums durchstöbert; er aber sieht die Welt nur von seinem Standpunkt aus und findet nichts Erhabenes darin, weil er nie in sich die Liebe zum Schönen gepflegt hat. Es gibt zahllose Abstufungen geistiger Blindheit und der Raum gestattet es nicht, jedes Einzelnen Lebensweise zu beleuchten und nachzuweisen, mit welchem Auge er die Welt anschaut.
Der Geist eines Theologen, der sich nicht über die Erde hat erheben können, lebt in einer mehr oder weniger finsteren Atmosphäre fort. So geht es allen, denen es an Kenntnissen gebricht. Kenntnisse oder vielmehr Weisheit ist in der Geisterwelt Licht und der weiseste Mann sieht am meisten. Es geht um die Erkenntnis des Edlen und Schönen in der menschlichen Natur. Das ist die wahre Kenntnis, welche Christus lehrte – die Liebe zur Menschheit; denn es ist im Leben nicht möglich unsere Pflicht zu tun ohne zu erkennen, dass die höchste Weisheit ist, Gutes zu tun.
Wiedererwachtes Gedächtnis
Du meinst, ein schlechter Geist wird mit der Sympathie anderer schlechter Geister zufrieden sein, das ist nicht der Fall. Er mag auf einige Zeit ihre Bewunderung erregen, aber das dauert nicht lange, da Schlechtigkeit nicht so lange wie Herzensgüte die Gemüter fesselt. Du kannst als sicher annehmen, dass alle ein angeborenes Gefühl für das, was recht und unrecht ist, in sich tragen und dass man in der Geisterwelt nur wegen des Guten geliebt wird. Der Massstab für Recht und Unrecht ist in Eurer Welt von dem Unsrigen so verschieden. Hier gilt ein Mann so viel als er wirklich wert ist, bei Euch so viel als er scheinen mag.
Der neu in die Geisterwelt Eintretende findet, dass er ganz der Alte in seinen Gefühlen ist, der er vor seinem Abscheiden aus Eurer Welt war. Ein Unterschied macht sich ihm jedoch sehr bald bemerklich. Während früher sein Gedächtnis wenigstens in seinen letzten Jahren durch die Schwächen des Körpers gelitten hatte, ist jetzt kein derartiges Hindernis vorhanden und sein ganzes früheres Leben steht jetzt entschleiert vor seinen Blicken. Du musst wissen, dass das Gedächtnis dem Geiste angehört und nicht dem Gehirn. Es ist eine von den Eigenschaften des Geistes, welche die Materialisten sich vergebens abquälen zu erklären, denn obgleich jedes materielle Atom, aus denen das Gehirn besteht, im Lauf der Jahre ersetzt sein und also gewechselt haben mag, bleibt doch die Erinnerung an die früheren Erlebnisse bis zurück zu den Tagen der Kindheit unauslöschlich dem Geiste eingeprägt. Hätten jedoch diese Eindrücke dem materiellen Gehirn angehört, würden sie im Lauf des beständigen Wechsels, der im Organismus des menschlichen Körpers vor sich geht, lange verwischt worden sein. Das Denken ist eine Tätigkeit des Gehirns, wenn das Gehirn zu existieren aufhört, existiert auch das Denken des Individuums nicht länger.
Euch manchmal, bei alten Leuten eine lebhafte Erinnerung an Szenen und Ereignisse aus ihrer frühen Kindheit zu beobachten, bei Anderen findet sich eine Vorliebe mit besonderem Vergnügen ihrer Jugendfreunde zu gedenken. Der Grund davon liegt in dem Umstande, dass der Geist schon vor dem Tode beginnt, die Bande zu lockern, die ihn an den Körper fesseln. Wenn dann schliesslich diese Trennung eintritt, steht die ganze Vergangenheit wie ein Panorama vor seinen Blicken und alles Schlechte wird für den Betreffenden zu einer fortdauernden Quelle von Vorwürfen und daraus folgendem Elend, während das Gute ihm Freude bereitet. Diese Erkenntnis seiner Vergangenheit, welche das schwarze und das weisse Buch ist, von dem in der Bibel gesprochen wird, gewinnt jeder sogleich nach seinem Eintritt in die Geisterwelt und wird sich glücklich oder unglücklich fühlen, je nachdem er gut oder übel während seines Erdenlebens gehandelt hat. Nicht allein vor seinen eigenen Blicken enthüllt sich seine Vergangenheit, auch vor denen seiner Freunde liegt sie offen da, denn ein Geist zeigt in seiner Person die Art seines früheren Lebens und er kann das Aussehen seines Bildes nicht ändern, bevor er nicht die Erinnerung daran losgeworden ist, das heisst bis er sein Unrecht an denen wieder gutgemacht hat, die er geschädigt und die Verzeihung derer erlangt, die er verletzt hat.
Du willst wissen, in welcher Weise das Aussehen eines Geistes sich durch einen solchen Ausgleich verändert. Wenn sich die Gefühle anderer gegen einen solchen Geist ändern, verwischt sich sein eigenes Andenken an seine Vergangenheit, weil er nicht mehr daran erinnert wird, bis es sich schliesslich ganz verliert. Er kann sich nicht mehr daran erinnern. Dies erklärt Dir, wie es kommt, dass vorgeschrittene Geister selten im Stande sind, viel Auskunft über ihr früheres Leben zu geben, im Fall ihr irdisches Leben ein unglückliches war, denn die angeführte Regel findet auch in Betreff derer ihre Anwendung, die ein unglückliches, nicht etwa bloss ein schlechtes Leben geführt haben. Diese geben gern die Erinnerung an die Vergangenheit auf, weil es sie veranlasst, sich glücklicher zu fühlen.
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe.
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Anmerkungen
1 Animalischer Magnetismus – Mesmerismus nach Franz Anton Mesmer (1734–1815). Siehe Perlen aus dem Archiv RR 3/2022 und 4/2025
2 Complement – Geistiger Körper, siehe RR 4/2025 Perlen aus dem Archiv.
3 Herd – Feuerstelle
4 Esse – ahd. essa Brandstätte, mhd. esse Feuerherd des Schmieds.
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